Wirtschaft : Die Spekulation um Reichelt dauert an

Mehrheitsaktionär Edeka schließt Anteilsaufstockung nicht aus / Hauptversammlung in Berlin

BERLIN(chi).Ob die Mehrheitsaktionärin der Otto Reichelt AG, die Edeka Minden-Hannover, demnächst ihre Beteiligung am Berliner Lebensmittelfilialisten aufstocken wird ­ darüber muß weiter spekuliert werden.Auf der Reichelt-Hauptversammlung am Mittwoch sagte Vorstandsvorsitzender Joachim Schmidt zwar, daß eine Aufstoêkung der Beteiligung von derzeit 60,1 Prozent "mittelfristig" nicht auszuschließen sei."Ob, wann und in welchem Umfang dies aber erfolgen könnte, das ist derzeit noch völlig offen".Weitere Spekulationen seien deshalb "nicht angebracht", so Schmidt.Warum aber die Reichelt-Aktie gerade in den letzten Tagen auf ihren gegenwärtigen 12-Monats-Höchstkurs von 27 DM geklettert sei, das wüßte er selbst gern.Die Edeka Minden-Hannover hatte 1995 die bis dahin vom niederländischen SHV-Konzern gehaltenen 60,15 Prozent übernommen, die übrigen Anteile sind nach Auskunft des Vorstandes breit gestreut. Schmidt machte den Aktionären wenig Hoffnung, daß sich Ertrags- und Umsatzlage des Konzerns schon in naher Zukunft deutlich verbessern würden ­ und erntete dafür auch Kritik.Nach dem dramatischen Ergebniseinbruch 1995, konnte das Ergebnis vor Steuern 1996 zwar knapp auf 28,4 Mill.DM gehalten werden, das DVFA-Ergebnis aber sackte um fast 20 Prozent auf 14,1 Mill.DM und der Umsatz ging ­ trotz der Eröffnung neuer Filialen ­ um 3,6 Prozent auf 1,38 Mrd.DM zurück.Diese schwache Entwicklung scheint sich in diesem Jahr fortzusetzen.Bis Ende April habe Reichelt in seinem Hauptmarkt, im Westteil Berlins, einen Umsatzrückgang von 1,35 Prozent verzeichnet, sagte Schmidt."Im Ostteil der Stadt, in Brandenburg und Sachsen-Anhalt sieht das Ergebnis deutlich schlechter aus." Der Vorstand machte dafür die Zurückhaltung der Verbraucher vor allem in Berlin verantwortlich ­ die laut einer Nielsen-Analyse deutlich ausgeprägter ist als im Bundesgebiet ­, sowie die Eröffnung immer neuer Einkaufszentren und den damit verbundenen Verdrängungswettbewerb, der laut Schmidt schon "kannibalistische Züge" trägt. Dennoch will der Vorstand die Expansion ortsetzen ­ was von den Aktionären zum Teil heftig kritisiert wurde.Schmidt verwies darauf, daß die Expansion "mit Augenmaß" erfolge.Ebenso wie im Vorjahr sollen auch 1997 vier Filialen eröffnet werden, die Zahl wird damit auf 116 steigen.Mehr Umsatz sei im gegenwärtigen Verdrängungswettbewerb fast nur über die Fläche zu erreichen, sagte Schmidt.Er widersprach aber auch den Aktionären, die ­ neben der Kritik am schwachen Kursverlauf ­ die Sorge äußerten, daß Reichelt Wettbewerbsvorteile bei Service und Qualität verliere.Mehr Service und eine stärkere Differenzierung der Filialen je nach Lage und Kundenkreis seien Schwerpunkte der laufenden Restrukturierungsmaßnahmen, betonte er.Die vorgeschlagene Dividende von 0,90 DM wurde von der Hauptversammlung genehmigt.

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