Wirtschaft : Die Sportartikelbranche konzentriert sich jetzt auf die Kundin

Bessere Materialien, neue Modelle und etliche Innovationen stehen im Mittelpunkt der am Sonnabend eröffneten Ispo Sommer 99 in München. 1628 Aussteller aus 47 Ländern zeigen bis zum 4. August auf der weltweit größten Sportartikelmesse die Produktpaletten ihrer Branche. Von Badeanzügen, die das Wasser abperlen lassen, über Tachometer für Inline-Skater bis zu Windsegeln für Skier, Schlitt- und Rollschuhen: mit Neuigkeiten hoffen Hersteller und Händler in diesem Jahr ihren Umsatz um zwei Prozent steigern zu können. 1998 wurden mit Sportgeräten, Schuhen und Bekleidung nach Angaben des Verbandes Deutscher Sportfachhandel gut 14 Mrd. DM (7,2 Mrd. Euro) umgesetzt.

Trotz stagnierender Nachfrage in vielen Sparten und eines starken Wettbewerbdrucks zähle die Sportartikelbranche weiter zu den Wachstumskandidaten der Wirtschaft, betonte Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu zur Eröffnung der Sommer-Ispo. Der derzeitige Preisdruck laste vor allem auf dem mittelständischen Sportfachhandel. Durch Beratungs- und Servicekompetenz hätten die Fachhändler ihren Marktanteil von knapp über 50 Prozent jedoch halten können.

Nach einer Branchenstudie leiden viele Unternehmen nach der Ausweitung ihres Angebots auf Modeartikel unter den häufigen Trendwechseln. In diesem Sommer liefen Fitnessgeräte, Bikinis und Outdoor-Bekleidung gut, hieß es. Squash-Artikel, Fußballschuhe und Trainingsanzüge sind dagegen die Sorgenkinder der Branche. Um den in diesem Jahr abgeebbten Verkaufsboom bei den Inline-Skates wieder rollen zu lassen, setzen die Hersteller auch auf die weiblichen Sportlerinnen. Das Angebot speziell auf Frauen zugeschnittener Rollschuhe und Protektoren wurde in diesem Jahr merklich ausgeweitet.

Auf dem stagnierenden Sportartikelmarkt sollen auch sonst besonders die Frauen für wieder steigende Umsatzzahlen sorgen. In diesem Jahr brächten sehr viele Hersteller erstmals spezielle Produkte für Frauen auf den Markt oder weiteten solche Angebote zu ganzen Kollektionen merklich aus, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Sportfachhandel (VDS), Hugo Laumann. Vielen Händlern sei schon lange klar gewesen, dass die bestehende Produktpalette speziell für Frauen noch viel zu klein sei. "Jetzt aber scheinen es die meisten Hersteller mit einem Schlag zu merken."

So kündigte der drittgrößte deutsche Sportartikelhersteller Arena zur Ispo besonders neue Kollektionen für Frauen an. Viele Outdoor-Produzenten wollen deutlich mehr Modelle für Frauen etwa bei Jacken, Rucksäcken und Schuhen auf den Markt bringen. Der schwedische Anbieter Fjällräven etwa will sein in diesem Sommer mit Erfolg gestartetes "Lady"-Programm" zum nächsten Jahr verdoppeln, um "bisherige Angebotslücken zu schließen".

Bis Mittwoch werden auf der Ispo mehr als 30 000 Fachbesucher erwartet. Parallel zur Messe zeigen Skater und Motocross-Fahrer, was mit den neuen Produkten der Branche möglich ist. Die Shows und Wettbewerbe stehen allen Sportfans offen.

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