Wirtschaft : Die steile Karriere des Jürgen Stark

Die graue Eminenz des Finanzministeriums zieht bei der Bundesbank ein FRANKFURT (MAIN) (rtr).Der breiten Öffentlichkeit ist der beamtete Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Jürgen Stark weithin unbekannt.Dies wird sich wohl spätestens im Juli ändern.Denn die graue Eminenz im Finanzministerium soll, wie am Montag berichtet, nach Informationen aus Koalitionskreisen Karriere machen und Vizepräsident der Deutschen Bundesbank werden, wenn der bisherige zweite Mann, Johann Wilhelm Gaddum, Ende Juni aus Altersgründen die Notenbank verläßt.Stark gilt als ausgezeichneter Finanzfachmann.Er war zunächst bei der Mexiko-Krise und derzeit in der Finanzkrise in Asien Deutschlands wichtigster Unterhändler beim IWF und den G-7-Staaten, als dort Hilfpakete geschnürt wurden.In Bonn gilt Stark als wichtigster Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl und Finanzminister Theo Waigel in außenwirtschaftlichen Fragen. Stark wurde 1948 im rheinland-pfälzischen Gau-Odernheim geboren.Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.Nach seiner mit Promotion beendeten wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung arbeitete er zunächst als Assistent an der Universität Hohenheim.Mit seinem Eintritt ins Bundeswirtschaftsministerium begann Starks steile Karriere im Bonner Regierungsapparat.1988 wechselte er ins Kanzleramt und wurde dort nach drei Jahren Referatsleiter für Außenwirtschaft.Seit Oktober 1992 arbeitet er in führenden Positionen im Finanzministerium.Nach der Bundestagswahl 1994 machte Kohl seinen "Sherpa" Stark zum beamteten Staatssekretär.Analysten beschrieben Stark am Montag als "sehr fähigen Mann im Finanzministerium." Er habe in der Vergangenheit bewiesen, daß er eine eigene Meinung habe und sich von der Regierung keine Befehle erteilen lasse.Ein anderer Finanzmarkt-Experte nannte Stark als einen in EWU-Fragen harten und erfahrenen Verhandlungspartner.Es habe maßgeblich an der Entstehung des EWU-Stabilitätspaktes mitgewirkt.Analysten sagten, bei der Vorbereitung des Stabilitätspaktes habe Stark sogar eine wichtigere Rolle gespielt als Finanzminister Waigel.Zu Starks währungspolitischer Haltung sagte ein Experte: "Ich würde nicht sagen, daß Stark ein Falke oder eine Taube ist, aber die Erfahrung lehrt, daß Personen, die aus einem politischen Umfeld in die Bundesbank wechseln, eher zu Falken werden". Die Bundesbank empfängt ihren künftigen Vizepräsidenten mit offenen Armen: Als ausgewiesener Währungs- und Finanzfachmann sei Stark im Direktorium der Bundesbank hochwillkommen, hatte es schon früher in der deutschen Notenbank in Frankfurt geheißen.

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