Wirtschaft : Die Steuer-Sünde

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In Frankreich, Deutschland und Italien erwirtschaftet der Staat rund 50 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Trotzdem fällt es diesen Ländern zunehmend schwerer, ihre Rechnungen zu bezahlen. Dass hohe Steuern Wachstum behindern und Steuereinnahmen verringern, ist lange bekannt. In Großbritannien, wo die Steuern generell niedriger sind, geht es der Wirtschaft und den öffentlichen Haushalten bedeutend besser. Als einziges der großen europäischen Länder erfüllt das Königreich die Haushaltsregeln der Eurozone – auch ohne den Euro.

Hohe Steuern treiben ein großen Teil der Wirtschaft in den Untergrund. Ein aktueller Bericht der EU Kommission zeigt, wie eng hohe Steuern und Schwarzarbeit zusammenhängen. „Das Problem kann einen Teufelskreis schaffen, in dem der Staat Steuern erhöht, um Verluste auszugleichen. Die Steuererhöhung wiederum führt zu mehr Bereitschaft, Arbeit schwarz zu verrichten oder verrichten zu lassen“, heißt es im Bericht.

Während die französischen und deutschen Schattenwirtschaften etwa sechs Prozent des BIP ausmachen, sind es in Großbritannien nur zwei Prozent. Auch andere Faktoren führen zu Schattenwirtschaft. Sie sind häufig in Ländern mit hohen Steuersätzen anzutreffen, was das Problem noch verstärkt. Dazu zählen ein unflexibler Arbeitsmarkt und eine hinderliche Bürokratie.

Der Bericht spricht auch von „kulturellen Traditionen“, die zur Steuerflucht führen. Italien bildet die Spitze der kulturellen Traditionalisten, die der Steuerfahndung entwischen. Die Schattenwirtschaft wird auf 18 Prozent des BIP geschätzt und wird nur noch von Griechenland mit 20 Prozent übertroffen.

Natürlich ermutigt ein Steuersatz von 45 Prozent die Italiener nicht wirklich, ihre Steuerformulare auszufüllen. Was war also zuerst da – die hohen Steuern oder die „kulturellen Traditionen“ der Steuervermeidung? Silvio Berlusconi könnte es herausfinden, indem er die Steuern senkt und schaut, was passiert.

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