• Die Stiftung: heimliche Herrscherin bei Bertelsmann Ohne das Ja des Stiftungschefs kann in Gütersloh keiner regieren

Wirtschaft : Die Stiftung: heimliche Herrscherin bei Bertelsmann Ohne das Ja des Stiftungschefs kann in Gütersloh keiner regieren

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Berlin (uwe). Im März feierte sie erst ihren 25. Geburtstag, doch manchem der jungen und ehrgeizigen Manager bei Bertelsmann erschien es in der Vergangenheit immer so, als sei die Stiftung der letzte Saurier des Medienzeitalters: die Bertelsmann-Stiftung, gegründet von Reinhard Mohn, dem Mann, der aus dem Bibel- und Buchvertrieb in Gütersloh ein Unternehmen mit Weltgeltung machte. Mohn rief 1977 die Stiftung ins Leben, deren Auftrag es ist, „die Dinge zu bessern“. Heute arbeiten rund 300 Mitarbeiter in der größten Unternehmensstiftung Deutschlands. Für das Verbesserungswerk haben sie einen Etat von gut 70 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung. Die Bildung ist eines der zentralen Anliegen der Stiftung, die Bürgergesellschaft ein anderes und der demographische Wandel ein Drittes.

Doch die Bertelsmann-Stiftung ist mehr: Sie ist Mehrheitseigentümerin des Unternehmens Bertelsmann. Ohne ihre Zustimmung kann bei Bertelsmann niemand regieren. Denn wer hier – und in der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft – das Sagen hat, hat das Sagen im Konzern: 75 Prozent der Stimmrechte des Unternehmens sind bei der Verwaltungsgesellschaft. Stiftung und Verwaltungsgesellschaft seien etwas wie eine „permanent tagende Hauptversammlung“ sagt Reinhard Mohn.

Stiftung und Verwaltungsgesellschaft waren von Reinhard Mohn unter anderem gegründet worden, um Bertelsmann dauerhaft vor einer Übernahme zu bewahren und das Lebenswerk des Firmen-Patriarchen zu schützen.

Gefährdet wurde das Lebenswerk von den Börsenplänen Thomas Middelhoffs. Der hatte zwar Reinhard Mohn überreden können, seinen Segen zu dem im Jahr 2005 geplanten Börsengang zu geben. Doch er hatte sich für die Stiftung auch ein Vorkaufsrecht für die 25 Prozent der Anteile ausbedungen, die an die Börse gehen sollten. Dass es überhaupt dazu gekommen war, dass ein Teil des Unternehmens nicht mehr in den eigenen Händen war, schmerzte Mohn offensichtlich zunehmend. Bertelsmann hatte 25 Prozent des eigenen Unternehmens hergegeben, als die Gütersloher bei RTL eingestiegen waren. In den letzten Wochen hatten sich die Stimmen gemehrt, die sagten, dass Mohn sein Vorkaufsrecht wohl ausüben wolle. Damit war Middelhoffs Plan, der Macht der Stiftung dauerhaft zu entrinnen, in ernsthafter Gefahr. Nun ist ein Vertrauter neuer Chef des Unternehmens: Gunter Thielen, der erst im vergangenen Jahr Nachfolger von Reinhard Mohn an der Spitze der Stiftung wurde. Bei ihm kann Mohn sicher sein, dass die Stiftung nicht in Frage stellt.

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