• Die Stimmung in den Betrieben steigt. Doch die Politik sorgt laut DIHT für nur zögerliche Neueinstellungen

Wirtschaft : Die Stimmung in den Betrieben steigt. Doch die Politik sorgt laut DIHT für nur zögerliche Neueinstellungen

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Die Unternehmer blicken wieder positiver in die Zukunft, wollen aber kaum mehr Menschen beschäftigen. Das ist das Fazit der jüngsten Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), die DIHT-Hauptgeschäftsführer Franz Schoser am Dienstag in Berlin vorstellte. Als Grund für die geringe Neigung zu Neueinstellungen geben die Unternehmen an, dass sich die Bedingungen für neue Jobs verschlechtert hätten. So würden die eingeführte Ökosteuer und Steuerrechtsänderungen die niedrigeren Sozialabgaben seit Anfang des Jahres wieder aufzehren. Dazu kommen die hohen Tarifabschlüsse dieses Jahres sowie die Änderungen bei den 630-Mark-Jobs. Damit "wurde ausgerechnet jener Arbeitsmarktbereich mit mehr Kosten und Bürokratie belastet, der zuvor die Flexibilität der Personalplanung erhöht hatte", sagte Schoser.

Nach seinen Angaben sind durch die Neuregelung allein in Baden-Württemberg drei Viertel der 630-Mark-Stellen weggefallen. Eine Studie, die die Verhältnisse in Nordrhein-Westfalen auf das Bundesgebiet hochrechnet, veranschlagt den Verlust auf 1,4 Millionen solcher Arbeitsplätze. Dagegen rechnet Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) mit 2,5 Millionen sozialversicherungspflichtigen Stellen, die durch die Neuregelung entstanden sind.

Trotz der flauen Aussichten für den Arbeitsmarkt sieht Schoser auch positive Entwicklungen im kommenden Jahr. So wollen die westdeutschen Unternehmen - anders als noch im Frühjahr - ihre Personalpläne nicht weiter ausdünnen. In Ostdeutschland seien die Firmen schon froh, wenn sie ihre Beschäftigtenzahl halten könnten. Die einzelnen Branchen zeigen ein unterschiedliches Bild. Westdeutsche Investitionsgüterproduzenten, wie Maschinenbauer und Fahrzeughersteller, wollen vermehrt Jobs streichen. Dagegen planen Dienstleistungsbetriebe, wie in der Computer- und Telekommunikationsbranche sowie im Handel, Neueinstellungen. Die Baubranche hat nach Angaben von Schoser immerhin ihre Talfahrt beendet. Im Osten Deutschlands produziert die Industrie im kommenden Jahr noch am meisten Jobs, der Dienstleistungssektor kaum, Handels- und Baubetriebe werden dagegen weiter Arbeitnehmer entlassen. Die flauen Aussichten für den Arbeitsmarkt zeigen sich auch in dem Investitionsverhalten der Betriebe: Die Firmen stocken ihre Budgets dafür kaum auf.

Auch wenn es im kommenden Jahr kaum mehr Arbeitsplätze geben dürfte - die Unternehmen präsentieren sich optimistischer. Im Februar erwarteten noch 76 Prozent der Unternehmen gleichbleibende oder gute Geschäfte im Jahr 2000, jetzt sind es 81 Prozent. Für Schoser hängt die Konjunkturentwicklung aber stark von der Politik ab. Bislang erwartet er nur ein Wachstum von zwei Prozent im kommenden Jahr und liegt damit deutlich unter den Prognosen der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, die das Plus mit 2,7 Prozent veranschlagen. Allerdings: Sollten die Tarifabschlüsse im kommenden Jahr niedriger als 1999 ausfallen und sollte die rotgrüne Koalition das Steuer- und Sozialsystem umfassend reformieren und damit Vertrauen bei den Investoren wecken, sei auch ein Wachstum von 2,5 Prozent möglich, meint der DIHT-Chef.

Die positiven Erwartungen der Unternehmen stützen sich vor allem auf den Export, zeigt die DIHT-Umfrage. In den wichtigsten Lieferländern würde die Konjunktur weiter flott laufen. Handel und Dienstleistungsunternehmen hoffen dazu auf den Geldbeutel der Bürger, der durch die Tarifabschlüsse und die Steuerrechtsänderungen dicker geworden sei. Dadurch sollen auch die Umsätze der Firmen steigen.

Neben der Wirtschaftspolitik fühlen sich viele Klein- und Mittelbetriebe auch durch die zunehmende Konzentration in der Wirtschaft bedroht. "Die Kritik an den Megafusionen wird immer hörbarer", sagte Schoser. Viele Betriebe sehen dadurch ihren Spielraum eingeschränkt. Dagegen beurteilten die Großkonzerne Fusionen als einen Weg, um ihre Kosten zu senken und ihre Absatzkanäle zu erweitern. Für Schoser soll die Politik dafür sorgen, dass der Wettbewerb ebenfalls künftig funktioniert, allerdings: "Wir wissen auch kein Patentrezept."

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