Wirtschaft : Die Stimmung in deutschen Firmen steigt

Ifo-Geschäftsklimaindex verbessert sich zum sechsten Mal in Folge / Auch US-Verbrauchervertrauen legt zu

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Berlin (pet). Die Stimmung der deutschen Unternehmer hat sich merklich verbessert. Bereits zum sechsten Mal in Folge stieg der Geschäftsklimaindex des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) im Oktober an. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht Deutschland auf dem Weg zum Aufschwung. „Die Anzeichen mehren sich, dass Deutschland allmählich die Talsohle durchschreitet“, sagte BDI-Präsident Michael Rogowski am Dienstag bei der Vorlage des BDI-Konjunkturreports. Positive Impulse kommen auch aus den USA, wo das Verbrauchervertrauen im Oktober überraschend stark gestiegen ist. Das kam an den Börsen gut an: Der Dax kletterte bis zum Börsenschluss um fast zwei Prozent auf 3586 Punkte.

Die Ifo-Wirtschaftsforscher rechnen jetzt fest mit einer Konjunkturbelebung in Deutschland. Anders als noch im September beruhe die verbesserte Einschätzung der Lage im Oktober nicht mehr ausschließlich auf günstigeren Erwartungen der Unternehmer, sondern auch auf einer verbesserten Einschätzung der aktuellen Geschäftslage, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn bei der Vorlage des aktuellen Stimmungsbildes in München. Ein vergleichbarer Index-Zuwachs für Westdeutschland sei zuletzt im Herbst des Aufschwungjahres 1999 zu beobachten gewesen.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist einer der wichtigsten Frühindikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. In jedem Monat befragt das Institut 7000 Unternehmer in Ost- und Westdeutschland nach ihrer Einschätzung der Geschäftslage und ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Die Antworten werden je nach der Bedeutung der Branchen gewichtet.

Danach verbesserte sich der Index für das Geschäftsklima in Ostdeutschland im Oktober leicht von 104,0 auf 104,7 Punkte. Der Index zur Einschätzung der gegenwärtigen Situation legte im Westen von 79,2 auf 81,1 Punkte und im Osten von 122,8 auf 124,4 Punkte zu. Bei den Geschäftserwartungen verzeichnete das Ifo einen Indexanstieg von 105,2 auf 107,9 Zähler im Westen, während der Erwartungsindex in den neuen Ländern leicht von 86,3 auf 86,1 Punkte sank.

Trotz der verbesserten Stimmung in den Unternehmen warnte der BDI vor zu frühem Jubel. Noch sei die „Diskrepanz zwischen steigender Zuversicht und Realität groß“, sagte BDI-Chef Rogowski bei der Veröffentlichung des BDI-Konjunkturreports. So hielten sich die Unternehmen mit Investitionen nach wie vor zurück. Auch der private Konsum werde sich nur allmählich erholen. Und eine klare Trendwende am Arbeitsmarkt sei nicht vor Ende 2004 in Sicht. Dennoch sieht auch Rogowski den Aufschwung kommen. Das Konjunkturplus werde im kommenden Jahr „aber nur mager sein und bestenfalls 1,5 bis 1,8 Prozent betragen“.

Ökonomen sind zuversichtlich, dass der Aufwärtstrend diesmal von Dauer sein kann. „Es gibt gute Chancen auf einen selbsttragenden Aufschwung“, sagte Ulrich Kater, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Dekabank, dieser Zeitung. Die Konjunkturimpulse von außen wie eine bessere Umsatz- und Absatzerwartung der Unternehmen kompensierten gegenläufige Faktoren im Inland wie den starken Euro und den ungeklärten Reformprozess in Deutschland. „Der Aufschwung wird solider“, sagte Kater. Allerdings müssten im Inland jetzt Maßnahmen folgen, die die Nachfrage ankurbelten. „In Deutschland tut sich etwas, die Stimmung bessert sich“, sagte Martin W. Hüfner, Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank.

Die Zuversicht wird verstärkt durch ein überraschend starkes Verbrauchervertrauen in den USA. Der vom privaten Forschungsinstitut Conference Board ermittelte Index stieg im Oktober auf 81,1 von revidiert 77,0 Punkten im September, teilte das Institut mit. Analysten hatten im Schnitt einen Anstieg auf nur 79,5 Punkte erwartet. Der Index gilt als wichtiger Indikator für die künftige Entwicklung der Konsumausgaben, die zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen.

Die Deutsche Bank sieht Deutschland für den Aufschwung gut gerüstet. Der Abbau von Arbeitsplätzen habe bereits ein Jahr früher begonnen als in anderen EU-Ländern, schreiben die Bank-Volkswirte in einer aktuellen Studie. Daher seien die Lohnstückkosten im ersten Halbjahr im Vorjahresvergleich unverändert geblieben. Die Bank wertet das als Hinweis darauf, dass die Unternehmensgewinne in Deutschland rascher ansteigen könnten als in den anderen EU-Ländern.

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