Wirtschaft : Die Stimmung kippt

Wirtschaft wächst im ersten Quartal kräftig, doch jetzt verschlechtert sich das Klima wegen der Euro-Krise.

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Auf dem Bau läuft es ordentlich, der kalte Februar wurde gut verkraftet. Nach einem starken Jahresauftakt schwindet die Dynamik aber inzwischen in allen Wirtschaftsbereichen. Foto: dapd Foto: dapd
Auf dem Bau läuft es ordentlich, der kalte Februar wurde gut verkraftet. Nach einem starken Jahresauftakt schwindet die Dynamik...Foto: dapd

Berlin - Die jüngste Vergangenheit ist prächtig, die Erwartungen an die nahe Zukunft aber sind bescheiden. So ungefähr lassen sich die jüngsten Daten über die deutsche Konjunktur zusammenfassen. Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft um 0,5 Prozent, nachdem es im vierten Quartal 2011 noch einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent gegeben hatte. Der starke Export und die zunehmende Binnennachfrage stützten die Konjunktur Anfang 2012, der kalte Februar mit Ausfällen auf dem Bau konnte diese Effekte nicht wesentlich schwächen. Zwischen Januar und März stiegen die Exporte um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal, und die privaten Konsumausgaben immerhin noch um 0,4 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Allein die Maschinenbauer lieferten zehn Prozent mehr Anlagen und Maschinen ins Ausland.

Für das Gesamtjahr 2011 bestätigten die Statistiker nun 3,0 Prozent als Wachstumsrate. Für das laufende Jahr gibt es eine Spannbreite der Prognosen von 0,7 bis 1,2 Prozent. Was am Ende rauskommt, hängt auch ab vom weiteren Verlauf der europäischen Schuldenkrise. „Die deutsche Wirtschaft steht unter dem Eindruck der in letzter Zeit gestiegenen Unsicherheit im Euro-Raum“, kommentierte Hans-Werner Sinn, Chef des Münchener Ifo, das jüngste Geschäftsklima seines Instituts. Nach einem starken Jahresauftakt fiel der Klimaindex im Mai von 109,9 auf 106,9 Punkte. Das Ifo bewertet das als einen Dämpfer, sieht aber noch keinen Grund, um „die Trendwende auszurufen“. Die Geschäftslage werde noch immer deutlich besser als im langjährigen Durchschnitt eingestuft. Indes „bröckelt“ die Auftragslage der Industrie. In den kommenden Monaten werde aber der schwache Euro das Geschäft in Amerika, Asien und Russland stützen.

Überrascht zeigten sich die Ifo-Wissenschaftler über die trübe Stimmung im Einzelhandel vor allem bei Bekleidungs- und Schuhgeschäften. „Das ist aber wohl eher ein Ausrutscher“, vermuten die Münchener auch mit Verweis auf die relativ hohen Tarifabschlüsse in jüngster Zeit. Nach Einschätzung von Volkswirten wird die sich abschwächende Konjunktur auch in der Mai-Statistik der Bundesagentur für Arbeit Spuren hinterlassen. Einer Umfrage der Deutschen Presseagentur zufolge sank die Zahl der Arbeitslosen im Mai um 100 000 auf 2,86 Millionen. Das wäre der schwächste Rückgang in einem Mai seit drei Jahren. Alfons Frese

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