Wirtschaft : Die Stimmung steigt – die Kurse fallen

Viele Unternehmen erwarten den Aufschwung bis zum Jahresende, doch die Börsen trauen den Optimisten nicht

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Berlin (hop). Die Stimmung der deutschen Unternehmen hat sich im August erneut deutlich verbessert. Zum vierten Mal in Folge stieg der Geschäftsklimaindex des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo. Die Börsen und Volkswirte reagierten jedoch zurückhaltend auf die Zahlen, obwohl sie besser waren als erwartet. „Wenn ich mir das Bild insgesamt anschaue, dann ist es nicht so toll“, sagte Michael Hüther, Chefvolkswirt der Dekabank, dem Tagesspiegel. Das Geschehen bestimmte weiterhin die konjunkturelle Entwicklung in den USA. Nach der Veröffentlichung des leicht gestiegenen USVerbrauchervertrauens für Juli gaben die Finanzmärkte weiter nach.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland ist vom Juli-Wert 89,3 im August auf 90,8 Punkte geklettert, teilte das Institut am Dienstag in München mit. Volkswirte hatten vorher im Schnitt mit einem Anstieg auf nur 90 Punkte gerechnet. Auch der Index für die Wirtschaft in Ostdeutschland verbesserte sich – von 103,1 auf 104,1 Punkte. „Die neuen Umfragedaten untermauern die Prognose einer konjunkturellen Belebung im zweiten Halbjahr“, sagte Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts.

In der Regel gehen Volkswirte von einer Trendwende aus, sobald der Index drei Mal in Folge steigt. Nach den letzten Anstiegen herrschte aber noch Skepsis, denn die Verbesserung beim Index für Westdeutschland speiste sich vor allem aus dem gewachsenen Optimismus für die zukünftige Geschäftslage. Das hat sich im August geändert. Auch die Lageeinschätzung legte zu, sagte Sinn.

Hüther von der Dekabank warnte jedoch davor, die Lage zu optimistisch einzuschätzen. Er verwies auf das Frühjahr 2002, als der Ifo-Index schon einmal drei Monate in Folge anstieg, dann aber wieder einbrach, weil die Konjunktur nicht mitzog. „Damals gab es eine Erwartungsblase“, sagte Hüther. Jetzt sei der Optimismus zwar fundierter, der Abstand zwischen Zukunftshoffnungen und der Einschätzung der aktuellen Lage sei aber weiterhin sehr groß. „Es spricht nichts dafür, dass wir in diesem Jahr eine deutliche Verstärkung der Wachstumsdynamik sehen werden.“ Nur mit sehr viel Glück werde Deutschland in diesem Jahr „mehr als eine schwarze Null“ schreiben. Im ersten Halbjahr 2003 war die Wirtschaft sogar leicht geschrumpft.Für das kommende Jahr sei mit einem Plus von 1,3 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt zu rechnen. „Aber das ist nach drei Jahren Stagnation nahezu nichts.“ Außerdem sei der gestiegene Optimismus für die nächsten Monate vor allem darauf zurückzuführen, dass mit einer Belebung des Exports gerechnet werde. Und da liege die Hoffnung auf einer Erholung der USA.

Enttäuschungen aus Amerika

Im Gegensatz zu Deutschland konnte die US-Wirtschaft in diesem Jahr zulegen. Die meisten Volkswirte rechnen damit, dass sie auch in den kommenden Monaten weiter wächst und die Weltkonjunktur anschiebt. Und genau diese Erwartungen bekamen am Dienstagnachmittag einen Dämpfer mit der Veröffentlichung des Verbrauchervertrauens für Juli durch das US-Wirtschaftsforschungsinstut Conference Board. Denn auch hier ist die Schere zwischen der optimistischen Einschätzung der zukünftigen Lage und der eher zurückhaltenden Sicht auf die aktuelle Situation weiterhin groß, gegenüber Juni weitete sie sich sogar etwas aus. Während der Teilindex für die Zukunftserwartung deutlich stieg und den Gesamtindex mitzog, fiel der Teilindex zur Einschätzung der Gegenwart. Lynn Franco vom Conference Board warnte, dass sich der Optimismus nur halten lassen werde, wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt bessere. Doch sind da einige Volkswirte für die kommenden Monate pessimistisch, manche rechnen sogar mit einem weiteren Stellenabbau. Parallel zum Verbrauchervertrauen wurde noch vom US-Kongress eine neue Schätzung des Defizits veröffentlich, den die USA bis Jahresende zu erwarten haben. Auch hier gab es eine negative Überraschung. Das Haushaltsloch wird eine Rekordhöhe von 480 Milliarden Dollar erreichen.

In der Folge fiel der Deutsche Aktienindex (Dax) bis Börsenschluss um 1,27 Prozent auf 3455,48 Punkte – und unterschritt damit die psychologisch wichtige Marke von 3500 Zählern. Auch die US-Börsen mussten abgeben. Der Euro geriet ebenfalls unter Druck. Erstmals seit vier Monaten war die Gemeinschaftswährung billiger als 1,08 US-Dollar.

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