Wirtschaft : Die Stimmung stimmt

Der Ifo-Geschäftsklimaindex steigt, doch Volkswirte warnen vor Rückschlägen – vor allem in China.

von
Aufbau. Die Talsohle des Abschwungs scheint erreicht. Zumindest deuten das Ifo-Geschäftsklima und die Auftragslage in der Bauwirtschaft und anderen Branchen darauf hin. Foto: dpa
Aufbau. Die Talsohle des Abschwungs scheint erreicht. Zumindest deuten das Ifo-Geschäftsklima und die Auftragslage in der...Foto: dpa

Berlin - Die Börse erwies sich am Donnerstag als zuverlässiges Barometer: Obwohl der Ifo-Geschäftsklimaindex, der die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen einfängt, zum dritten Mal in Folge gestiegen ist, sank der Dax bis zum Abend um ein Prozent auf rund 8300 Punkte. Der seit Montag aufgelaufene Wochengewinn ist damit zunächst wieder verloren. Schwerer als der Ifo-Index wogen am Markt negative Meldungen aus China und schwache Geschäfte der Konzerne BASF und Siemens.

Volkswirte erklärten die Enttäuschung der Märkte auch damit, dass der Ifo-Index nur „einen Blick in den Rückspiegel“ erlaube. Die Erwartungen an künftige Geschäfte, die das Ifo ebenfalls abfragt, seien leicht gesunken. Angesichts der Sorgen vor einem niedrigeren Wachstum in China sei die Furcht vor Rückschlägen für die Weltwirtschaft nach wie vor vorhanden.

„Der Anstieg des Ifo-Index’ ist ein Zwischenhoch“, sagte Alexander Schumann, Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Wie die zuletzt guten Wirtschaftszahlen enthalte er Nachholeffekte vom schwachen Jahresanfang. Auch wenn die Wirtschaft hierzulande immerhin um 0,3 Prozent wachsen dürfte und die Hoffnungsschimmer in einigen Ländern der Euro-Zone deutlicher würden, bleibe der Abbau der Schuldenberge und der Weg zu mehr Wettbewerbsfähigkeit beschwerlich.

Aus Spanien kam am Donnerstag eine positive Nachricht: Erstmals seit zwei Jahren hat sich die Lage am Arbeitsmarkt aufgehellt. Wie das Statistikamt mitteilte, sank die Quote dank einer einträglichen Urlaubssaison im zweiten Quartal von 27,2 auf 26,3 Prozent.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht indes die wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum auf wackligen Beinen. „Die Finanzmärkte bleiben fragmentiert, die Kreditkosten im Privatsektor der Peripherie sind weiterhin hoch, vor allem für kleine Firmen“, warnen die Ökonomen. Allerdings findet der IWF auch lobende Worte für das Krisenmanagement: So seien die Finanzmärkte beruhigt worden durch das Versprechen der Europäischen Zentralbank, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von strauchelnden Euro-Ländern zu kaufen.

Das Ifo-Institut teilte mit, der Geschäftsklimaindex sei im Juli von 105,9 Punkten im Vormonat auf 106,2 Punkte gestiegen. Die Euro-Krise lässt die Wirtschaft nach Auskunft der Forscher, die monatlich rund 7000 Manager befragen, unbeeindruckt. Besonders die exportstarke Industrie ist zufrieden. „Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate haben sich zwar minimal abgeschwächt, die Unternehmen blicken aber nach wie vor verhalten optimistisch in die Zukunft“, deutete Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen die Daten. „Am Konjunkturhimmel zeigen sich nur wenige Wolken.“ „Die Konjunktur hat zurzeit keine klare Richtung“, sagte dagegen KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. „Die Abwärtsrisiken bleiben bestehen.“ Gute Nachrichten kamen am Donnerstag vom Bau. Nach einem, dem langen Winter geschuldeten Minus in den ersten Monaten des Jahres lagen die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe im Mai preisbereinigt um 2,3 Prozent über dem Vorjahreswert, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Sorgen gibt es dagegen in China. Die Regierung kündigte am Donnerstag an, die schwächelnde Wirtschaft ankurbeln zu wollen. Die Regierung beschloss eine „völlige Öffnung“ des verschuldeten Bahnsektors für private Investoren und Milliardeninvestitionen in den verstärkten Ausbau des Streckennetzes. Regierungschef Li Keqiang plant ferner Steuererleichterungen für Kleinunternehmen sowie Unterstützung für kleine und mittelgroße Exporteure. Auch wurden neue Pläne für Milliardeninvestitionen im Kampf gegen die extreme Luftverschmutzung insbesondere in der Region Peking bekannt. mit dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar