Wirtschaft : Die Strategie der kleinen Schritte (Kommentar)

Corinna Visser

Die Telekom setzt in Frankreich ihre Strategie der kleinen Schritte fort. Nach dem Erwerb der Festnetzgesellschaft Siris im vergangenen Jahr, kauft das Unternehmen nun den Online-Dienst Club Internet. Der hat gerade mal 320 000 Kunden. Die Engagements in Frankreich sind Trippelschritte auf dem Weg, ein globaler Telekommunikationskonzern zu werden. Im vergangenen Jahr setzte die Telekom 35,3 Milliarden Euro um, davon nur etwa drei Milliarden Euro im Ausland. Von einem international agierenden Konzern ist die Telekom noch weit entfernt. Jetzt hat die Telekom immerhin eine Partnerschaft mit einem Anbieter geschlossen, der Inhalte im Netz (Musik, Bücher, Zeitungen) verkauft. Doch bleibt das Bündnis mit dem Medien-Konzern Lagardère hinter den Dimensionen zurück, welche die Fusion des Wettbewerbers AOL mit dem Medienkonzern Time Warner hat. AOL hat sich so den Zugang zu den Internet-Angeboten gesichert, mit denen sich auch in Zukunft mehr Geld verdienen lässt als nur mit dem Kassieren von Gebühren für den Online-Zugang.

Die Akquisition in Frankreich wird nicht der letzte Zukauf in diesem Jahr gewesen sein. Die nächsten Schritte müssen aber andere Dimensionen erreichen, wenn Telekom-Chef Ron Sommer die Gunst seiner Aktionäre nicht verlieren will. Das Club-Internet-Geschäft hat aber bereits eine neue Perspektive offenbart: Es ist kein Geld geflossen. In Zukunft kann die Telekom teure Expansionen in die Bereiche Internet und Mobilfunk mit eigenen Aktien bezahlen. Und da die Telekom in diesem Jahr dreimal an die Börse gehen will, kann der Anleger damit rechnen, dass Ron Sommer den Kurs weiter pflegen wird.

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