Wirtschaft : Die Suche nach dem Ausweg aus dem Chaos

WASHINGTON (rtr).Vor dem Hintergrund schwerer Turbulenzen auf den Finanzmärkten sind am Sonnabend die Finanzminister und Zentralbankchefs der sieben wichtigsten Industriestaaten (G 7) in Washington zusammengekommen.Im Mittelpunkt ihrer Herbsttagung stehen Beratungen über Wege, Finanzkrisen wie in Asien und Rußland und ihre weltweiten Auswirkungen zu verhindern oder wenigstens einzugrenzen.Zur Debatte stehen unter anderem neue Kapitalverkehrskontrollen, die aber von den USA abgelehnt werden.

US-Präsident Bill Clinton hat eine neue Initiative zur finanziellen Unterstützung von Ländern angekündigt, die von der globalen Finanzkrise besonders betroffen sind.Die USA wollten zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und den führenden Wirtschaftsnationen einen "neuen Mechanismus" entwickeln, der Ländern im Notfall Finanzmittel zur Verfügung stelle, sagte Clinton am Freitag in Washington.

Er forderte von der Weltbank und anderen Darlehensgebern, neue Kreditlinien für die Bekämpfung von Finanzkrisen zur Verfügung zu stellen.Eine weltweite Rezession sei noch vermeidbar, wenn jetzt Maßnahmen ergriffen würden.Er kritisierte erneut die Weigerung des Kongresses, die amerikanischen Beiträge an den IWF in Höhe von 18 Mrd.Dollar (etwa 29,5 Mrd.DM) zu bezahlen.Ein solches Verhalten sei "unentschuldbar"."Wir brauchen das Geld jetzt", sagte Clinton.

Außerdem dürfte es auf der Herbsttagung um gemeinsame Anstrengungen gehen, der weltweiten Wirtschaftsentwicklung neuen Auftrieb zu geben.IWF-Generaldirektor Michel Camdessus und Weltbankpräsident James Wolfensohn haben an die Industriestaaten appelliert, ihrer Verantwortung für den Zustand der Weltwirtschaft gerecht zu werden, und weitere Zinssenkungen in den USA und Europa gefordert.Der G-7-Gruppe gehören die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada an.Rußland ist assoziiert.Deutschland wird von Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer vertreten, weil der scheidende Finanzminister Theo Waigel abgesagt hat.

Tietmeyer hat eine sorgfältige Debatte über eine neue Architektur der Weltwirtschaft oder ein neues Währungssystem nach dem Vorbild von Bretton Woods empfohlen.Nach diesem System wären die wichtigsten Währungen an die Entwicklung des US-Dollar gekoppelt.

Mit Blick auf Deutschland erklärte der Bundesbank-Chef, der Regierungswechsel werde keinen Einfluß auf die Geldpolitik haben."Die Bundesbank wird weiter ihren Weg gehen", erklärte er.Zuvor hatte SPD-Parteichef Oskar Lafontaine die europäischen Notenbanken aufgefordert, dem amerikanischen Vorbild zu folgen und die Zinsen zu senken.

Externe Arrangements unter Währungen oder zwischen einem Land und den globalen Finanzmärkten können nach Auffassung Tietmeyers bedeutsam sein, wenn sie in der "realen Welt überlebensfähig" sind.Allerdings müsse diese geborgte Stabilität durch eine entsprechende innere Performance zurückgezahlt werden, sagte er.

Die Finanzmärkte warnte Tietmeyer vor Übertreibungen.Die sehr kurzfristige Orientierung vieler Spieler an den Finanzmärkten könne die Risiken beträchtlich erhöhen."Es gibt einen Herdentrieb sowohl in der Euphorie als auch in Augenblicken des Zweifels", sagte Tietmeyer.Die gegenwärtige Finanzkrise könne auch Länder anstecken, die wirtschaftlich nur lose mit den Krisenherden verbunden seien.Er hoffe sehr, daß die Märkte die offenkundigen strukturellen Fortschritte anerkennen würden, die viele Länder - vor allem in Lateinamerika - gemacht hätten, sagte Tietmeyer.

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