Wirtschaft : Die Suche nach dem Biokerosin

Juliane Schäuble
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Noch werden Passagiere vor dem Abflug nicht gewogen. Aber bei den verzweifelten Versuchen, mit dem Gewicht der Maschinen den Spritverbrauch zu reduzieren, kommt bestimmt bald die erste Fluggesellschaft auf diese Idee. So werden Passagiere von China Southern bereits aufgefordert, vor Abflug noch eine Toilette aufzusuchen – um das Wasser für einmal Spülen zu transportieren, braucht es einen Liter Kerosin. Andere wie Tuifly fliegen langsamer oder bauen wie Swiss leichtere Sitze ein. Und US Airways strich gleich Chips und Erdnüsse an Bord und serviert Getränke nur noch in Plastikbechern.

Der Rekordpreis beim Öl, von dem der Kerosinpreis abhängt, bedroht die Branche. Jeder Dollar mehr kostet die Fluglinien 1,6 Milliarden Dollar jährlich. Rund um den Globus werden daher bereits alte, spritfressende Maschinen stillgelegt. Denn: Nicht alle gestiegenen Kosten lassen sich weiterreichen. Lufthansa und Air Berlin haben gerade wieder die Treibstoffzuschläge angehoben, die letzte Erhöhung war vor einem Monat. Wird Fliegen aber zu teuer, streiken die Kunden. Schon sinkt die Auslastung der Flugzeuge.

Da wirkliche Alternativen zu Kerosin noch nicht in Sicht sind, hofft die Branche auf Neuentwicklungen der Flugzeugbauer. So appellierte Air France-KLM gerade an Airbus, schnell eine noch größere Variante des A 380 zu liefern. Der weltgrößte Passagierflieger ist mit einem Verbrauch von drei Litern auf 100 Kilometer schon jetzt Spitze. Vom US-Konkurrenten Boeing wird der 787 Dreamliner sehnsüchtig erwartet. Durch leichteren Kunststoff statt Aluminium soll der mittelgroße Flieger 20 Prozent Gewicht einsparen.

Die großen technischen Durchbrüche lassen jedoch noch auf sich warten. So testet Airbus derzeit zwar eine Brennstoffzelle an Bord, doch die soll erst einmal helfen, Kerosin einzusparen. Der Betrieb eines Passagierjets mit einer Brennstoffzelle steht derzeit nicht auf der Agenda der Forscher – zu teuer, zu kompliziert.

Auch die Suche nach alternativen Treibstoffen geht langsam voran. Boeing ließ zwar im Februar erstmals einen großen Passagierjet von Virgin Atlantic zum Teil mit Palmöl fliegen. Die Ankündigung von Virgin Atlantic, bald schon Biokerosin anzubieten, sehen Experten aber sehr skeptisch. Auch Airbus testet alternativen Gas-to-Liquid-Treibstoff – aber das dafür benötigte Erdgas ist ebenfalls ein fossiler Brennstoff. Airbus verspricht sich von den Tests Erkenntnisse über Biokraftstoffe der zweiten Generation. Immerhin sagt der europäische Flugzeugbauer voraus, diese werden ab 2025 den Bedarf der Luftfahrt zu einem Viertel decken. Offen ist nur, woher so viel Biokraftstoff kommen soll. Denn Biomassepflanzen konkurrieren mit Nutzpflanzen. Künftig soll Biokerosin daher aus Abfällen oder Algen hergestellt werden.

Doch all dies kommt spät, angesichts dessen, dass sich das weltweite Passagieraufkommen bis 2020 im Vergleich zu 2000 verdoppeln soll. Juliane Schäuble

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