Wirtschaft : Die Swiss hat nie richtig an Höhe gewonnen

Zwischen 60 und 100 Millionen Schweizer Franken soll eine ausgewachsene Fluggesellschaft kosten. In diesem Bereich dürfte die Summe liegen, die die Lufthansa den Kleinaktionären der Schweizer Swiss für eine Übernahme zu zahlen bereit ist.

Basel (14.03.2005, 14:10 Uhr) - Über zwei Milliarden Franken (heute knapp 1,3 Milliarden Euro) hatte allein die öffentliche Hand in die Swiss gesteckt. Doch die Finanzspritze war nicht kräftig genug. Seit ihrem ersten Start vor knapp drei Jahren hat die Swiss nie richtig an Höhe gewonnen.

Jetzt sind die Schweizer Politik und Wirtschaft froh, wenn der Name Swiss erhalten und die Bedeutung des Flughafens Zürich gesichert bleiben. Die Swiss entstand auf den Trümmern der abgestürzten Swissair, die unter den Folgen einer Milliarden-Schuldenlast und des 11. September Anfang Oktober 2001 zusammengebrochen war. 12.000 Mitarbeiter bangten um ihre Arbeitsplätze, 133 Flugzeuge standen tagelang ungenutzt und mahnend für den Niedergang auf Schweizer Flughäfen herum.

Die Regierenden der Schweiz entschlossen sich zu einer in der Wirtschaftsgeschichte fast einmaligen Rettungsaktion, an der sich neben Bund, Kantonen und Städten auch die Banken und die Privatwirtschaft beteiligten. An warnenden Stimmen hat es damals nicht gefehlt, aber auch jetzt sehen im Nachhinein viele keine Alternative. Die Investitionen sind bereits abgeschrieben, die Arbeitsplätze auf etwas mehr als die Hälfte abgebaut.

Die Warner hatten recht, dass eine nationale Fluglinie wie die Swiss, die sich am Markt erst noch behaupten musste, keine Chance hatte. Als es dann noch mit den Allianzen nicht klappte, als das Pendel mal in Richtung Billigflieger und dann wieder hin zum Luxuscarrier ausschlug, war klar, dass die Swiss allein nicht überleben konnte. Ganze 16 Millionen Franken Gewinn wurde im dritten Quartal 2004 gemacht - sonst war immer alles rot, die Swiss hob nie richtig ab.

Firmenchef Andrè Dosé, der von dem Swissair-Regionalflieger Crossair, der Mutter der Swiss, kam, hatte selbst keine Chance aber wohl die rettende Idee: Die Betriebskosten um 300 Millionen Franken senken und sich der Lufthansa anbieten. Genau das ist jetzt unter seinem Nachfolger, dem Deutschen Christoph Franz, geschehen.

In seinem Buch «Sturmflug» hat Dosé noch davon gesprochen, dass die Schweiz eine eigene Fluggesellschaft brauche. Aber auch er sah keine Alternative zur Lufthansa, wie wohl auch die Regierung in Bern. Sie müsste noch einmal mindestens 500 Millionen Franken locker machen, um die Swiss erneut umzubauen - mit völlig ungewissem Ausgang. Darauf will sich die Politik nicht mehr einlassen. Die Swiss ist den Eidgenossen diesen Preis nicht mehr wert.

(Von Heinz-Peter Dietrich, dpa) ()

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