Wirtschaft : Die Swiss kämpft ums Überleben

Entscheidung zwischen Lufthansa und British Airways – Notierung an der Börse ausgesetzt

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Berlin (fo). Die angeschlagene Schweizer Luftfahrtgesellschaft Swiss hat am Montag den Börsenhandel mit ihren Aktien bis Dienstagmittag aussetzen lassen. Erwartet werden jetzt Entscheidungen zur Zukunft des traditionsreichen Unternehmens. Im Gespräch sind Allianzen mit der Deutschen Lufthansa oder deren Konkurrenten British Airways. Luftfahrtexperten schließen sogar nicht aus, dass die Swiss von der Lufthansa übernommen wird. Eine Sprecherin der deutschen Airline wollte auf Anfrage die Spekulationen nicht kommentieren. Die LufthansaAktie gab mit dem allgemeinen Börsentrend bis zum Nachmittag leicht nach.

Die ums Überleben kämpfende Schweizer Fluggesellschaft teilte am Montagmorgen mit, dass sie die Schweizer Börse beauftragt hat, den Handel mit ihren Aktien bis Dienstag um 14 Uhr einzustellen. Der Zeitplan für eine Kommunikation wichtiger Unternehmensentscheidungen werde im Laufe des Tages mitgeteilt. Ein Luftfahrtanalyst sagte dem Tagesspiegel, es könne auch sein, dass Swiss lediglich einen zweiten Sanierungsplan vorlege.

Die strategische Grundsatzentscheidung war von Swiss-Verwaltungsrat Walter Bosch ursprünglich für Ende August in Aussicht gestellt worden. Zur Diskussion standen ein Beitritt zu der von British Airways angeführten One-World-Allianz, ein übernahmeartiger Zusammenschluss mit der Deutschen Lufthansa oder ein Alleingang. Diese Varianten waren im Management des Unternehmens bislang umstritten. Die Option Alleingang gilt aber als sehr unwahrscheinlich weil die Swiss dringend Geld braucht. Allein, sagt ein Branchenexperte, habe das Unternehmen keine Chance zu Überleben. Die Fluggesellschaft verfügt über rund 800 Millionen liquide Mittel, die gegen Jahresende aufgebraucht sein werden. Ein Bankenkredit scheidet nach bisherigen Angaben der Kreditinstitute aus, so dass sich die Swiss nur über eine Kapitalerhöhung frische Mittel besorgen könnte. Für die Lufthansa, die relativ wenig Schulden hat, wäre das finanziell ohne große Probleme zu stemmen, meinen Analysten. Möglicherweise schießen die Banken jedoch frisches Kapital ein und bekommen dafür später Lufthansa-Anteile. Dieses Modell würde die Liquidität der Lufthansa schonen, ihr zugleich aber den Einstieg bei Swiss ermöglichen.

Das kürzlich beschlossene Zusammenrücken der niederländischen KLM mit der Air France hat allerdings nach Experteneinschätzung die Lage der Swiss für einen One-World-Beitritt mit British Airways verbessert. Wie bei dieser Variante das dringend benötigte Geld fließen könnte, ist allerdings offen.

Nach dem Zusammenbruch der früheren Swissair wurde die Swiss mit Milliardenhilfe von Staat und Wirtschaft neu gegründet. Seit diesem Start im Frühjahr vergangenen Jahres hat die Schweizer Fluglinie trotz eines radikalen Sanierungsplans die Wende noch nicht geschafft.

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