Wirtschaft : Die Talfahrt der Telekom: Der Konzern ist nicht mehr viel wert

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Die Deutsche Telekom muss ihre vorläufigen Bilanzzahlen für das Jahr 2000 korrigieren: Der Konzernüberschuss sinkt danach von 7,4 Milliarden auf 5,9 Milliarden Euro. Grund: Die Telekom hat den Wert ihres Immobilienportfolios überprüft und musste den Wert pauschal um zwei Milliarden Euro nach unten berichtigen. Einen positiven Effekt für das Ergebnis des Jahres 2001 erhofft sich der Konzern dagegen vom Verkauf seiner Anteile an der amerikanischen Telefongesellschaft Sprint.

Die T-Aktie setzte am Mittwoch ihre Talfahrt fort. Im Handelsverlauf fiel das Papier bis auf 25,36 Euro. Gegen 17.30 Uhr notierte die Aktie mit einem Minus von 4,86 Prozent bei 25,45 Euro.

Bereits seit längerem hatte die Telekom angekündigt, sich von Teilen ihres Immobilienbesitzes trennen zu wollen. Jetzt teilt sie mit, schneller als bisher geplant, einen erheblichen Teil zu verkaufen. Im Zuge dessen überprüfe sie die Wertansätze ihres Immobilienportfolios und habe beschlossen, eine pauschale Wertberichtigung auf der Aktivseite in einem Umfang von zwei Milliarden Euro vor Steuern im 4. Quartal 2000 durchzuführen. Dies sei in einem Verhältnis zum Gesamtbuchwert des Immobilienvermögens von 17,2 Milliarden Euro zu sehen.

Der Wert des Immobilienvermögens ist schon seit längerem Gegenstand von Auseinandersetzungen. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen den ehemaligen Finanzvorstand des Unternehmens, Joachim Kröske, wegen des Verdachts der Falschbilanzierung. Die Telekom bestreitet dies.

Nach Einschätzung des Würzburger Wirtschaftsprofessors Ekkehard Wenger hat die Telekom bei ihren Immobilien sogar einen deutlich höheren Wertberichtigungsbedarf. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass man hier "noch einmal nachlegen" müsse. Wenger habe Kenntnisse von internen Anweisungen bei der Telekom, dass beim Verkauf von Immobilien aus dem Bestand des Konzerns "vorsichtig umgegangenen" werden müsse, damit nicht mögliche Fehler bei den Bewertungen sichtbar würden. Insgesamt gehe es um einen Betrag, der "möglicherweise dreimal höher sein könnte", als die von der Telekom bekannt gegeben Berichtigungen von zwei Milliarden Euro. Dies gehe aus Unterlagen hervor, die ihm vorlägen, und an deren Echtheit er "keinen Zweifel" habe.

Ein Telekom-Sprecher sagte mit Blick auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die Neubewertung sei "kein Schuldeingeständnis". Der zuletzt mit 17,2 Milliarden Euro verbuchte Immobilienbestand sei aus bilanztechnischer Sicht konservativ bewertet worden. Er gehe davon aus, dass sich deshalb nicht mehr viel Berichtigungsbedarf ergeben dürfte.

Ebenso wie der beschleunigte Verkauf von Immobilien sei auch der Verkauf der Sprint-Aktien ein Schritt, sich auf das Kerngeschäft mit den vier Säulen Mobilfunk, Online, Festnetz und Systemlösungen zu konzentrieren. Die Telekom wird 76,2 Millionen ihrer Sprint-Fon-Aktien anbieten und den Konsortialbanken eine Mehrzuteilungsoption für ihre noch verbleibenden 11,4 Millionen Aktien einräumen. Die derzeit gehaltenen Aktien haben auf Basis des gegenwärtigen Kurses einen Marktwert von rund 2,1 Miliarden Euro. Auch France Télécom wird sich von ihren Sprintanteilen trennen.

Die 2,1 Milliarden Euro könnten für die Telekom noch weit mehr wert sein. Wegen Schulden in Höhe von 60 Milliarden Euro droht der Telekom eine Abstufung durch die Ratingagenturen. Dann müsste die Telekom künftig deutlich mehr Zinsen für ihre Anleihen oder Kredite zahlen. Nach Einschätzung von Holger Grawe, Fondsmanager bei WestLB Panmure, könnte der Verkauf der Sprint-Anteile helfen, die Abstufung zu verhindern.

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