Wirtschaft : Die Talfahrt ist noch nicht zu Ende

In Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt veröffentlicht der Tagesspiegel einmal im Monat eine Konjunkturkolumne und wirft einen Blick auf die Wirtschaftslage.Der Handelsblatt-Frühindikator soll frühzeitig konjunkturelle Wendepunkte anzeigen.Dabei berücksichtigt der Indikator aktuelle Daten wichtiger Branchen der westdeutschen Konjunktur.

Im Westen flaut die Konjunktur noch immer ab, das ostdeutsche Konjunkturbild hingegen ist diffus.Der Handelsblatt-Frühindikator für Westdeutschland hat im März seine seit sieben Monaten anhaltende Talfahrt fortgesetzt.Mit 1,4 Prozent nach zuvor 1,5 Prozent unterschreitet der Frühindikator sein entsprechendes Vorjahresniveau inzwischen um 1,1 Prozentpunkte.Da der Frühindikator der gesamtwirtschaftlichen Produktionsentwicklung um etwa ein Vierteljahr voraus ist, prognostiziert er damit ein Anhalten der Konjunkturschwäche in Westdeutschland bis zur Jahresmitte.

Mit Ausnahme der Zinsdifferenz sind alle in den Frühindikator eingehenden Größen geschrumpft.Es zeigt sich, daß sie westdeutschen Unternehmen gerade der inländischen Konjunktur derzeit wenig zutrauen.Zwar ist die Nachfrage im Verarbeitenden Gewerbe vorerst nicht weiter gesunken.Das ist aber noch keine Entwarnung, zumal die inländischen Bestellungen nicht mehr zunehmen.Die Investitionsschwäche macht sich auch bei den Auftragseingängen des westdeutschen Baugewerbes bemerkbar.Im Dezember ging die Nachfrage im Nichtwohnungsbau deutlich zurück, hinter dem sich vor allem die gewerblichen Anlageinvestitionen verbergen.

Die Einzelhandelsumsätze waren ebenfalls wieder enttäuschend: Nachdem sie im November ein deutliches Plus verbucht hatten, sanken sie im Dezember um so stärker.Das Handelsblatt-Konjunkturbarometer für Ostdeutschland hat im Februar mit 4,8 Prozent gegenüber dem Januarwert (4,9 Prozent) nochmals leicht nachgegeben.Es vollzieht damit seit drei Monaten eine Seitwärtsbewegung.Die Tendenz bleibt unklar.

Auch die Entwicklung der in das Barometer eingehenden Einzelgrößen ist uneinheitlich: Auftragslage und Geschäftsklima im ostdeutschen Verarbeitenden Gewerbe haben sich wieder aufgehellt.Daß das Geschäftsklima für die ostdeutsche Gewerbliche Wirtschaft besser ist als in den alten Bundesländern, dürfte mit der geringeren Abhängigkeit der ostdeutschen Industrie von Exporten zu erklären sein.Außer im Verarbeitenden Gewerbe ist das Geschäftsklima in der ostdeutschen Wirtschaft allerdings schlecht.Im Handel und im Baugewerbe sind noch keine Erholungszeichen zu erkennen.Nach wie vor hängt die Entwicklung im Osten sehr stark von der westdeutschen Konjunktur ab.

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