Wirtschaft : Die Tchibo-Familie trennt sich

Die Geschwister Günter und Daniela Herz erhalten milliardenschwere Abfindung / Noch keine Entscheidung über Beiersdorf-Kauf

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Berlin (msh). Nach einer jahrelang andauernden Familienfehde haben die Erben des TchiboKonzerns am Montag ihre Trennung besiegelt. Der langjährige Tchibo-Chef Günter Herz, seine Schwester Daniela und der Rechtsanwalt Otto Gellert scheiden aus dem Unternehmen aus. Das Aktienpaket von fast 40 Prozent übernehmen die anderen drei Geschwister um Michael Herz und die Mutter Ingeborg. Nach Angaben aus Kreisen des Unternehmens erhalten die ausscheidenden Gesellschafter rund vier Milliarden Euro. Mit dieser Lösung könnten auch die Chancen steigen, dass der Tchibo-Clan die Mehrheit am Kosmetikkonzern Beiersdorf übernimmt.

Die Entscheidung über die Abfindung von Günter und Daniela Herz wurde am Montag auf der Hauptversammlung in Hamburg getroffen, teilte Tchibo mit. Da der Konzern nicht börsennotiert ist, nahmen daran nur die Rechtsanwälte der beiden wichtigsten Aktionärsgruppen teil. Auf der einen Seite stehen Günter (62) und Daniela Herz (48) sowie der Rechtsanwalt Gellert, auf der anderen die Brüder Michael (59), Joachim (61) und Wolfgang (52) sowie die 82-jährige Mutter Ingeborg.

Die zerstrittenen Familienmitglieder hatten sich schon im Vorfeld der Hauptversammlung weitgehend darauf verständigt, Günter und Daniela Herz abzufinden. Damit wollten sie ihren seit Jahren andauernden Streit beenden und geschäftlich künftig getrennte Wege gehen. Wie der Tagesspiegel aus Günter Herz nahe stehenden Kreisen erfuhr, könnten mit der Einigung die Chancen wieder steigen, dass die Familie gemeinsam die Mehrheit am Kosmetikkonzern Beiersdorf übernimmt. Bislang hält Tchibo 30 Prozent an dem erfolgreichen Nivea-Produzenten. Die Allianz als Mehrheitsaktionär will ihren 44-Anteil verkaufen.

Nach Angaben aus den Kreisen gibt es zwei Optionen. Erstens: Günter und Daniela Herz kaufen mit ihren vier Milliarden Euro den Allianz-Anteil. Nach geltendem Übernahmerecht müsste Günter Herz den anderen Aktionären dann ein Kaufangebot machen. „Die anderen Familienmitglieder könnten darauf verzichten, dieses Angebot anzunehmen“, heißt es in den Kreisen. Die Bedingung von Günter Herz wäre, dass er die unternehmerische Führung bei Beiersdorf übernimmt und Tchibo seine Anteile als stille Beteiligung hält. Vorteil gegenüber der aktuellen Situation wäre, dass beide Seiten gesellschaftsrechtlich unabhängig voneinander agieren können.

Zweite Option: Die künftigen Eigentümer nutzen die verbleibenden Barmittel von rund einer Milliarde Euro, um der Allianz 20 Prozent ihrer Anteile abzukaufen und so die Mehrheit zu übernehmen. Allerdings ist fraglich, ob sich die Allianz auf einen Teilverkauf einlässt. Wann die Familie über das weitere Vorgehen in Sachen Beiersdorf entscheidet, steht nach Angaben aus den Kreisen noch nicht fest. Voraussetzung für die erste Variante wäre, dass sich die Herz-Geschwister wieder zusammenraufen und ein gemeinsames Ziel verfolgen.

Die Familienfehde des Tchibo-Clans könnte aus einem Drehbuch von Dallas oder Denver Clan stammen. Es geht um Macht, Einfluss und Neid. In den 60er Jahren hatte sich Günter Herz nach dem Tod des Firmengründers an die Spitze des Unternehmens gesetzt. Einzige Begründung dafür: er war der Älteste. Sein Bruder Michael wurde Vertriebschef und Wolfgang übernahm das Immobiliengeschäft des Konzerns. Die Entscheidung erwies sich als Glücksgriff: Günter Herz führte das Unternehmen länger als dreißig Jahre mit großem Erfolg. Den wichtigsten Schritt machte Herz, als er sich 1973 entschloss, neben Kaffee eine eigene Produktpalette mit Gebrauchsartikeln ins Sortiment zu nehmen. Heute macht Tchibo den Großteil seines Umsatzes von 3,1 Milliarden Euro mit Kleidung, Hausrat oder Elektroartikeln. Unter dem Slogan „Jede Woche eine neue Welt“ bringt Tchibo alle sieben Tage eine neue Warenwelt in die Geschäfte, die meisten unter der Marke TCM.

Neben den Kaffeegeschäften kaufte Tchibo den Zigarettenhersteller Reemtsma und beteiligte sich mit 30 Prozent an dem Nivea-Konzern Beiersdorf. Beides lohnende Investments. Der Verkauf von Reemtsma spülte im vergangenen Jahr rund fünf Milliarden Euro in die Kassen von Tchibo. Diese Erfolge hatte Günter Herz seinem unternehmerischen Talent zu verdanken. Er gilt als ein Mann mit sehr schneller Auffassungsgabe, der wichtige Entscheidungen aus dem Bauch heraus trifft.

Seinen Erfolg erklären Kenner des Unternehmens aber auch mit seiner Kompromisslosigkeit gegenüber seinen Geschwistern. Entscheidungen, wie den Kauf des Konkurrenten Eduscho, drückte Günter Herz durch, ohne die Familie zu informieren. In den 80er Jahren drängte er seine Brüder Michael und Wolfgang aus der operativen Führung des Unternehmens. Besonders der streitfreudige Michael Herz hat ihm das wohl nie verziehen. Die späte Rache kam im Jahr 2000. Der vom Michael-Lager dominierte Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag von Günter Herz überraschend nicht mehr, obwohl dieser gerne an der Spitze des Unternehmens geblieben wäre.

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