Wirtschaft : Die Telefon-Riesen rücken enger zusammen

BONN/PARIS (dri/jod/HB/rtr).Die beiden größten Telekommunikationsanbieter in Europa, die Deutsche Telekom und France Télécom, stärken ihre Partnerschaft durch eine Überkreuz-Beteiligung.Beide Unternehmen wollen bis Jahresende jeweils zwei Prozent des Grundkapitals des Partners übernehmen.Erwartet hatte man jedoch eine wechselseitige Beteiligung von 7,5 Prozent.Unabhängig davon zog die Telekom bei der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation ihren Gebührenantrag über 47,26 DM für die "letzte Meile" zum Kunden zurück.

Die Deutsche Telekom und France Télécom wollen durch eine verstärkte Zusammenarbeit ihren Marktanteil in Europa steigern und Millionenbeträge einsparen.Beide Konzerne teilten am Montag mit, sie wollten in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Multimedia, Informationssysteme und Telefonkarten kooperieren.Dies werde sich positiv auf den Gewinn auswirken.Die Aktienkurse beider Unternehmen tendierten zunächst nach unten, die Notierung der Deutschen Telekom erholte sich aber bis zum Nachmittag wieder.

Nach Angaben von Telekom-Sprecher Hans Ehnert handelt es sich bei der Überkreuz-Beteiligung nicht um einen Aktientausch.Vielmehr würde die Deutsche Telekom Anteile beim französischen Staat erwerben und France Télécom bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Das französische Wirtschaftsministerium kündigte am Montag an, der Staat werde im Herbst fünf Prozent der France-Télécom-Anteile an die Börse bringen.Diese waren zuvor für die Überkreuz-Beteiligung reserviert worden.Zusätzlich kündigte das teilprivatisierte Unternehmen eine Kapitalerhöhung ebenfalls um fünf Prozent an.Daraufhin brachen die Kurse von France Télécom in Paris ein: Die Aktie notierte am Nachmittag bei knapp 400 Francs (120 DM), was einem Rückgang von mehr als 4,7 Prozent entspricht.Die Aktien der Deutschen Telekom wurden am Nachmittag mit 55,10 DM gehandelt nach einem Schlußkurs am Freitag von 54,80 DM.

Deutsche Telekom und France Télécom arbeiten schon seit einiger Zeit zusammen.Als Zeichen ihrer Kooperation waren im Frühjahr die Chefs der beiden Gesellschaften in die jeweiligen Führungsgremien des Partners gewählt worden.

Mit dem US-Anbieter Sprint sind die beiden Konzerne seit 1996 an der Allianz Global One beteiligt.Dabei hat die Deutsche Telekom 1997 Verluste in Höhe von 390 Mill.DM verbucht.Auf den europäischen Märkten wollen die beiden Partner künftig verstärkt örtliche Gemeinschaftsunternehmen gründen.Um Geld für die Erschließung der sich öffnenden Märkte in Europa zu haben, ist die Überkreuz-Beteiligung niedriger ausgefallen als erwartet, sagte France Télécom-Chef Michel Bon.

Wie am Montag weiter bekannt wurde, hat die Telekom ihren Gebührenantrag über 47,26 DM für den entbündelten Teilnehmeranschluß zurückgezogen.Ein Telekom-Sprecher betonte, daß bisher nicht entschieden sei, welcher Preis in dem neuen Antrag stehen werde, den sie zehn Wochen vor dem 30.November - dem Termin für eine endgültige Entscheidung - stellen wird.Bis Ende November gilt weiter der vorläufig auf 20,65 DM festgesetzte Preis.In einem ersten Antrag hatte die Telekom 28,80 DM gefordert.Es handelt sich dabei um die wichtigste noch offene Regulierungsentscheidung: die Höhe der Monatsmiete, die die neuen Telefongesellschaften der Telekom für einen Telefonanschluß zahlen müssen.Die Telekom muß ihren Konkurrenten die letzte Meile Kupferdraht von der Ortsvermittlungsstelle zur Buchse zur Verfügung stellen, wenn diese im Ortsnetz Telefondienste anbieten wollen.

Telekom-Konkurrent First Telecom teilte unterdessen mit, wegen der Abschaltung einer Service-Nummer eine Einstweilige Verfügung gegen die Deutsche Telekom anzustreben.Die Telekom wirft dem Wettbewerber dagegen Vertragsbruch vor und verweist auf Verluste wegen rechtswidriger Nutzung der Leitungen.Die Telekom hatte am Freitag abend eine 0800-Nummer der First Telecom vom Netz abgehängt.Diese Nummer konnten die Kunden kostenlos anrufen und wurden dann zu günstigeren Tarifen ins Festnetz durchgestellt.

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