Wirtschaft : Die Telekom als staatliche Geldquelle

Aus dem Wall Street Journal. Übersetzt,ge

Die Deutsche Telekom zahlt etwa 1,45 Milliarden Euro an Dividende aus. Das ist eine ansehnliche Summe für die Aktionäre. Auch für die Bundesregierung, die selbst 43 Prozent der Anteile hält. Das ergibt eine Dividende von 600 Millionen Euro, die in die Staatskasse fließt. Diese Geldquelle möchte die Bundesregierung nicht entbehren. Wenn man sich verpflichtet hat, das Staatsdefizit innerhalb der Vorgaben des EU-Stabilitätspaktes zu halten, dann hilft jedes Bisschen.

Dass Analysten und Privat-Aktionäre die üppige Dividendenpolitik der Telekom in Frage stellen, kann für Schröder also keine willkommene Nachricht sein. Aber die Kritiker haben ihre Gründe: Schließlich hat die Telekom einen Schuldenberg von 65 Milliarden Euro. Gerade ist der Verkauf der Kabelnetze an Liberty geplatzt, was erheblich zur Schuldenminderung beigetragen hätte.

Wenn die Telekom sich hohe Schulden leistet, nur um den Staat zu finanzieren, beunruhigt das die Aktionäre zu Recht. Wenn der Mehrheitsaktionär zugleich Regierung, Regulierer und Steuereintreiber ist, ist es schwierig, das Unternehmen so zu führen, dass eine gesunde Bilanz herauskommt. Wäre die Telekom frei von staatlicher Kontrolle, würde sie ihre Dividende im Interesse der Firma und nicht des Staates auszahlen.

Die Aktionäre könnten ihre Aktien einfach verkaufen. Wegen ihrer privilegierten Monopolposition würde das der Telekom wahrscheinlich nicht allzu viel ausmachen. Aber selbst unter Staatskontrolle stehende Monopole können untergehen, wenn der Staat zu gierig wird.

Die Bundesregierung sollte sich an die 60er Jahre erinnern, als die britischen Sozialisten die staatliche Auto- und Stahlindustrie ausgenommen haben. Übrig blieben bankrotte Unternehmen, die Geld aus der britischen Staatskasse saugten. Das war einer der Gründe, warum Margaret Thatcher an die Macht kam und die Wähler die Sozialisten für 20 Jahre in Urlaub schickten.

Die deutschen Sozialdemokraten sind zu intelligent, um das Gleiche zu tun. Auch würde niemand behaupten, die Telekom sei so schlecht gemanagt wie British Steel und British Motors damals. Aber die Bundesregierung sollte diese Lektion im Hinterkopf behalten, während sie darüber nachdenkt, wie sie ihren Geldbedarf mit ihrem Interesse daran verbindet, die Telekom als lebensfähiges Unternehmen zu erhalten.

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