Wirtschaft : „Die Telekom behindert uns massiv“

Telefongesellschaft Versatel gewinnt 15000 Kunden – und hat Ärger mit dem Ex-Monopolisten

Berlin - Die Telefongesellschaft Versatel hat seit ihrem Start auf dem Berliner Markt mehr als 15000 Kunden hinzugewonnen. Das sagte Versatel-Deutschland-Chef Andreas Heinze im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Die Resonanz ist so groß, dass wir in Berlin so schnell wie möglich zehn zusätzliche Arbeitsplätze in der Kundenbetreuung und im Vertrieb schaffen werden.“ Bitter beklagte sich Heinze jedoch über die Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom: „Die Telekom behindert uns massiv. Sie nutzt ihre marktbeherrschende Stellung aus und verstößt klar gegen alle Regeln.“ Dem Marktstart von Konkurrent Hansenet in Berlin sieht Heinze dagegen gelassen entgegen: „Unser Gegner ist die Telekom.

Versatel hatte im September den Stadtnetzbetreiber Berlikomm mit rund 190 Mitarbeitern übernommen. Die Firma hatte der Muttergesellschaft Berlinwasser jährlich Millionenverluste beschert und zum Zeitpunkt des Verkaufs nur 34000 Kunden in der Hauptstadt. Versatel garantierte den Erhalt von 150 Arbeitsplätzen bis Ende 2005 und sagte Investitionen zu. „Die Berliner bringen uns viel Sympathie entgegen, weil sie endlich eine nennenswerte Alternative zur Telekom haben“, sagt Heinze. „Wahrscheinlich ist es das, was der Telekom wehtut.“

Versatel hat in Berlin zwar ein eigenes Telefonnetz, ist aber darauf angewiesen, dass die Telekom Kunden, die mit ihrem Telefonanschluss zu Versatel wechseln wollen, auf das Netz von Versatel umschaltet. „Wir haben die Telekom bereits im September darauf hingewiesen, dass wir ab Oktober zusätzliche Kapazitäten brauchen“, sagte Heinze. Dafür habe man der Telekom auch eine finanzielle Absicherung angeboten. „Darauf haben wir aber keine Antwort bekommen.“ Auch andere Firmen – wie United Internet – haben sich zuletzt wieder darüber beklagt, dass die Telekom ihre Kundenaufträge auf die lange Bank schiebt. „Wir haben pro Monat 10000 bis 12000 Umschaltungen angekündigt. Die Telekom hat uns zum Teil nur die Hälfte zugesagt“, sagte Heinze. „Das ist untragbar.“ Die Telekom argumentiert, es stünden nur bestimmte Ressourcen zur Verfügung, um die Wettbewerber zu bedienen. „Wir liegen deutlich über den Zusagen, die wir Berlikomm gemacht haben“, sagte ein Telekom-Sprecher. „Aber wir werden kurzfristig noch einmal auf Versatel zugehen.“

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