Wirtschaft : Die Telekom braucht ein gutes Alibi

HENRIK MORTSIEFER

Wohin mit dem Geld aus der Kapitalerhöhung? Nachdem die Deutsche Telekom das Rennen um die Telecom Italia gegen Olivetti verloren hat, muß sich Ron Sommer ein Alibi für den Kapitalmarkt einfallen lassen.Schließlich wollen die Anleger beim zweiten Börsengang des Ex-Monopolisten wissen, wofür sie ihr Geld geben.Bislang war klar: Wer vom 7.bis 15.Juni neue T-Aktien zeichnet, beteiligt sich als Aktionär des Telefonkonzerns an der Übernahme des italienischen Wettbewerbers.Daraus wird nun nichts.Die Telekom bleibt bis auf weiteres allein.Selbst die ihr im Telekom-Bündnis Global One nahestehende France Télécom hat sich abgewendet.Die Partner von einst werden sich vor Gericht wiedersehen.

Wohin also mit den 21 Mrd.DM, die Sommer mit dem Verkauf von 274 Mill.Aktien kassieren will? Zieht er einen zweiten Überraschungskandidaten aus dem Ärmel? Ein Paukenschlag, der ihm von Analysten zugetraut wird.Denkbar wäre ja ein weiterer Übernahmewettlauf gegen Mannesmann.Diesmal ginge es um den britischen Mobilfunkbetreiber One 2 One.Oder gegen andere um Sprint, um Cable & Wireless oder ...Es wird nun wieder viel spekuliert.Auch darüber, ob Sommer die Kapitalerhöhung kurz vor dem Start noch abbläst, um einen mißratenen Börsengang und eine weitere Blamage zu vermeiden? Der Telekom-Chef steht nach den Ereignissen des Pfingstwochenendes mächtig unter Zugzwang.Der Konzern mag seine "Internationalisierungsstrategie" fortsetzen wollen, wie Sommer betont.Aber schon auf der Hauptversammlung am kommenden Donnerstag erwarten die Telekom-Aktionäre und jene, die es werden wollen, Konkreteres.Sommer sollte sich sputen.Hält er die Börse, die er dringend braucht, weiter mit bloßen Ankündigungen hin, wird bald eine neue Frage im Raum stehen: Wie lange hält es den Chef auf seinem Stuhl?

0 Kommentare

Neuester Kommentar