Wirtschaft : Die Telekom im Sparrausch

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Von Dieter Fockenbrock

Zum Glück kann die Aktionäre der Deutschen Telekom (fast) nichts mehr erschüttern. Weder Finanzminister Hans Eichel noch die Privataktionäre der ersten Stunde. Jetzt, wo der Kurs des einstigen Börsenstars im Keller ist, wird auch noch die Dividende gestrichen. Nichts ist beschlossen, doch die Zeichen stehen auf Sparen. Warum auch sollte TelekomChef Helmut Sihler, der einen neuen Vorstandsvorsitzenden, vor allem aber Einsparmöglichkeiten sucht, ausgerechnet bei den Anteilseignern Halt machen? Dafür spricht nichts. Im Gegenteil,

Die Telekom verdient kein Geld – zur Zeit jedenfalls nicht. Die letzte Dividende wurde deshalb schon aus den Reserven gezahlt; mehr als 1,5 Milliarden Euro weniger für den Abbau des gigantischen Schuldenbergs von 66 Milliarden Euro. Das kann Sihler nicht wiederholen, wenn er es mit dem eisernen Sparen ernst meint. Die überraschende Kürzung der Telekomdividende im Frühjahr war nur eine Etappe auf dem Weg in eine lange dividendenlose Phase. Denn vor Mitte des Jahrzehnts wird der Kommunikationsriese aus Bonn wohl keine Gewinne ausweisen. Kurzum: Die Dividende fällt in den nächsten Jahren aus. Zugegeben: In der heißen Phase am Aktienmarkt hatte sich niemand für die wenigen Cent Ausschüttung pro Aktie interessiert. Aber jetzt, wo nur Zocker und abgebrühte Profis auf steigende Telekomkurse spekulieren, wäre die jährliche Ausschüttung wenigstens ein kleiner Trost. Dem kleinen Aktionär reicht es vielleicht dazu, seine Reisekosten für die Fahrt zur Hauptversammlung zu decken. Ganz anders sieht das beim Finanzminister aus. Die Menge macht’s. Streicht Sihler die Dividende, fallen 670 Millionen Euro Einnahmen weg. Hans Eichel wird das nicht verhindern. Schließlich fallen auch 35 000 Jobs in Deutschland weg. Da hat selbst der Hauptaktionär keine guten Argumente.

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