Wirtschaft : Die Telekom-Konkurrenz formiert sich neu

BERLIN/BONN (aho/rtr/AP).Auf dem deutschen Telefonmarkt hat sich Mannesmann Arcor den Konkurrenten Otelo für 2,25 Mrd.DM einverleibt.Der deutsche Markanteil des Unternehmens wächst damit nach eigenen Angaben um mehr als 50 Prozent.Die Übernahme zeige, daß das Schaffen eines funktionsfähigen Wettbewerbs in diesem noch jungen Markt eine wichtige Aufgabe bleibe, sagte der Sprecher der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RTP), Harald Dörr.

Der Vertragsunterzeichnung mit Mannesmann waren bei Otelo turbulente Zeiten und harte Verhandlungen mit anderen Interessenten vorhergegangen: Die Telekommunikationsfirma Mobilcom hatte noch am Donnerstag Gespräche über einen Kauf abgebrochen.Laut Mobilcom war dafür ausschlaggebend, daß Otelo nur über angemietete und nicht über eigene Glasfiberleitungen verfüge.Auch Debitel war nach einem Bericht des "Handesblatts" zeitweilig als Käufer im Gespräch gewesen.

Die bisherigen Eigentümer RWE und Veba erklärten, mit der Übernahme zum 1.April seien der Kundenstamm und der gesamte Festnetzbereich sowie der Markenname Otelo an Mannesmann gegangen.Allerdings müßten die jeweiligen Aufsichtsgremien und zuständigen Aufsichtsbehörden der Vereinbarung noch zustimmen.

Arcor und Otelo zusammen seien mit Abstand der größte Verfolger der Deutsche Telekom im Festnetz-Bereich, sagte der Sprecher der Mannesmann AG, Manfred Söhnlein.Arcor wolle aber auch in Zukunft weitere Marktanteile gewinnen.Dabei könne es durchaus zu neuen Übernahmen kommen.Auf die Frage, ob die Übernahme des Wettbewerbers zu einem gedämpften Preiswettkampf auf dem Telefonmarkt führen werde, sagte Söhnlein: "Durch das Zusammengehen ist es nicht so, daß der Wettbewerb verschwindet." An Mannesmann Arcor sind ein von Mannesmann geführtes Konsortium mit 74,9 Prozent und die Deutsche Bahn AG mit 25,1 Prozent beteiligt.

Die Höhe möglicher Synergien durch das Zusammengehen nannte Söhnlein nicht und verwies auf eine für Dienstag geplante Pressekonferenz.Auf die Frage nach einem möglichen Arbeitsplatzabbau bei Otelo hieß es, zunächst einmal würden am Dienstag die Otelo-Beschäftigten von der Übernahme informiert.

Der Otelo-Festnetzbereich beschäftigt rund 2800 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr etwa 2,2 Mrd.DM Verlust.Nach Angaben von Branchenexperten plante Otelo bereits bisher, die Verluste zum großen Teil durch Einsparungen im Personalbereich zu verringern.Mannesmann Arcor beschäftigt 6500 Mitarbeiter und wies 1998 einen Verlust von unter 300 Mill.DM aus.

Laut Mannesmann Arcor soll Otelo als separate Gesellschaft bestehen bleiben.Otelo habe mehr als 1000 große Kunden, darunter RTL, Bahlsen, die Dresdner Bank, das Land Nordrhein-Westfalen sowie mehrere tausend mittelständische Unternehmen und 400 000 Privatkunden."Eins und eins ist in diesem Fall mehr als zwei", sagte Harald Stöber, Vorstandsvorsitzender von Mannesmann Arcor.Der Erwerb des Festnetzgeschäfts schließe auch die hundertprozentige Tochtergesellschaft Germany.net mit über 600 000 Internet-Kunden ein.

Ohne den Zukauf ist bislang bei Arcor ein Umsatz für 1999 von rund zwei Mrd.DM geplant.Nach dem Kauf kommt der Otelo-Umsatz dazu, der nach den Aussagen der bisherigen Eigentümer RWE und Veba in diesem Jahr auf 1,1 Mrd.DM von 435 Mill.DM im Vorjahr steigen soll.

Otelo galt von Anfang an als Sorgenkind unter den großen Telekommunikationsunternehmen, die der Deutschen Telekom Konkurrenz machen wollten.Während die Konkurrenten wie Mannesmann Arcor, Talkline und Mobilcom sofort nach dem Fall des Monopols am 1.Januar 1998 auf Kundenfang gingen, konnten bei Otelo Privatkunden erst ab Mitte März telefonieren.

Bei Insidern gelten die Probleme bei Otelo als hausgemacht: So habe der frühere Geschäftsführer Ulf Bohla lange Zeit ohne große Kontrolle durch die Mutterkonzerne arbeiten können.Das sei ein Grund dafür, warum die Gesellschaft die Marktentwicklung falsch eingeschätzt habe.Unternehmensberater hätten bereits vor der Liberalisierung des Telefonmarktes Anfang 1998 auf mögliche Milliardenverluste bei Otelo hingewiesen.Die Verluste bei dem Unternehmen sollen erheblich höher sein als bisher bekannt ist.Branchenkenner sagen, daß "bis zu acht Mrd.DM im Feuer stehen".

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