Wirtschaft : Die Telekom soll zahlen

Aktionäre wollen 2004 wieder eine Dividende sehen – denn der Gewinn steigt

Corinna Visser

Berlin - Wenn Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke kommenden Donnerstag die Neun-Monats-Bilanz seines Unternehmens vorlegt, wird vor allem eine Zahl mit Spannung erwartet: die Dividende. In den vergangenen zwei Jahren haben Besitzer von T-Aktien von der Telekom keine Ausschüttung erhalten. Dass sie für 2004 „eine attraktive Dividende“ bekommen werden, hat Ricke schon versprochen. Die Frage ist nur, wie hoch wird sie sein? Investoren und Analysten erwarten eine Zahlung von etwa 50 Cent pro Aktie.

Im Jahr 2000 hatte die Telekom 62 Cent, 2001 nur noch 37 Cent pro Aktie ausgeschüttet. Danach mussten die Aktionäre zwei Jahre lang auf eine Dividende verzichten, weil es nichts auszuschütten gab. Denn 2002 machte die Telekom einen Rekordverlust von 24,6 Milliarden Euro, 2003 kam sie nur auf einen mageren Überschuss von 1,3 Milliarden Euro. Nach der Restrukturierung und dem deutlichen Abbau der Schulden erwartet die Telekom nun für 2004 mindestens eine Verdoppelung des Gewinns auf 2,5 Milliarden Euro – einige Analysten rechnen sogar mit mehr als drei Milliarden Euro.

„Das Thema Dividende wird am Donnerstag absolut dominieren“, prognostiziert Analyst Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim. „Die Investoren erwarten eine Dividende von 50 Cent pro Aktie – alles andere wäre eine Enttäuschung.“ Schon 2003 wäre eine Dividende möglich gewesen, sagt Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Dafür muss es einen Ausgleich geben. Die Dividende muss über den 37 Cent liegen, die zuletzt bezahlt wurden.“ Das liege auch im Interesse des Großaktionärs Bund, der noch 43 Prozent der Telekom-Anteile hält. „Bei der Haushaltslage ist der Bund auf jeden Cent angewiesen – wie wir auch“, sagte Schmitz. Eine Dividende von 50 Cent, so wie sie jetzt die Deutsche Post in Aussicht gestellt hat, „würde auch der Telekom gut zu Gesicht stehen, und es würde der Aktie gut tun“.

Die Analysten wollen aber noch mehr wissen. Die Dividende für 2004 sei nicht die spannende Frage, sagt Frank Heise, Fondsmanager bei Union Investment. „Ich erwarte vor allem eine klare Aussage, wie die Telekom in Zukunft mit ihren freien Mitteln umgehen will“, sagt er – es geht also um Investitionen und Ausschüttungen. „Nach den vergangenen turbulenten Jahren ist das das Mindeste, was die Eigner erwarten dürfen.“ Acht Milliarden Euro, prognostiziert Heise, werde die Telekom allein 2004 erwirtschaften. „An diesem Erfolg müssen die Investoren fair beteiligt werden.“ Eine Dividende von 48 Cent, die Heise für dieses Jahr erwartet, „kann da nur ein erster Geschmack“ sein. Ralf Oberbannscheidt, Fondsmanager der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS, sagt sogar: „Wir würden gerne 55 Cent sehen.“ Denn auch die Telekom-Konkurrenten in Europa würden 2004 ihre Zahlungen erhöhen.

Analyst Rothauge erwartet zudem, dass die Telekom ihre Prognose für den Jahresüberschuss anheben wird. Zum einen, weil durch den deutlich geschrumpften Schuldenberg die Zinszahlungen gesunken sind, zum anderen brächten Beteiligungen etwa an der russischen Mobilfunkfirma MTS, die bisher negativ zu Buche schlugen, nun positive Ergebnisse. „Wir sind optimistisch und erwarten für das Gesamtjahr einen Überschuss von 3,2 Milliarden Euro“, sagt Rothauge.

Mit großem Interesse werden Analysten und Investoren vor allem auch auf die Entwicklung der Mobilfunksparte, dem Wachstumstreiber im Konzern, schauen. Für das Deutschlandgeschäft strebt T-Mobile in diesem Jahr eine Marge von 40 Prozent an. „Das ist ein sportliches Ziel, wenn man von 36 auf 37 Prozent kommt“, sagt Oberbannscheidt von der DWS. Zudem werde er sein Augenmerk auf die Entwicklung des US-Geschäfts richten. „Die spannende Frage wird sein, wie viel Marktanteil bei den Neukunden in den USA T-Mobile gewinnen kann.“ Für die immer noch größte Sparte der Telekom, das Festnetzgeschäft, erwarten die Experten dagegen lediglich stabile Umsätze im Vergleich zum Vorquartal.

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