Wirtschaft : Die Telekom wird effizienter

Konzern überrascht mit einem Reingewinn im zweiten Quartal und hat sein Schuldenziel für 2003 schon erreicht

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Bonn (vis). Die Deutsche Telekom kommt ihrem Ziel, im Jahr 2003 die Verlustzone zu verlassen, näher. Die überraschend guten Ergebnisse des zweiten Quartals, die der Konzern am Donnerstag vorlegte, übertrafen die Erwartungen vieler Analysten. Sie hatten in der Mehrheit nicht damit gerechnet, dass die Telekom auch in den Monaten April bis Juni in der Lage sein würde, das gute Ergebnis des ersten Quartals fortzuschreiben und wieder einen Überschuss zu erzielen.

Unter dem Strich stand im zweiten Quartal immer noch ein Gewinn von 256 Millionen Euro, nach 853 Millionen Euro in den ersten drei Monaten. Der Umsatz blieb fast stabil bei knapp 13,6 Milliarden Euro. „Wir liefern die Ergebnisse, die wir versprochen haben“, sagte TelekomChef Kai-Uwe Ricke. Die Verbindlichkeiten lagen Ende Juni bei 53 Milliarden Euro. Damit hat die Telekom das für Ende des Jahres geplante Schuldenziel bereits jetzt erreicht.

Die Börse reagierte zunächst negativ auf die Nachrichten aus Bonn. Bis zum Abend erholte sich der Kurs in einem freundlichen Umfeld jedoch wieder und erreichte mit 13,74 Euro ein Plus von 1,5 Prozent. Der anfängliche Kursrückgang sei nur bedingt nachvollziehbar, sagte Analyst Marcus Sander vom Bankhaus Sal. Oppenheim. „Die Zahlen waren besser als erwartet, insbesondere durch die Entwicklung von T-Mobile USA (früher Voicestream) und die relativ starke T-Systems“, sagte Sander. Im Geschäftsfeld von T-Systems betreut die Telekom große Geschäftskunden, ein Bereich also, der durch die schwache Inlandskonjunktur besonders anfällig ist. Enttäuschend aus seiner Sicht sei allerdings die Ankündigung Rickes, erst für das Jahr 2004 wieder die Zahlung einer Dividende anzustreben. Eine Ausschüttung an die Aktionäre wäre bereits für 2003 vorstellbar gewesen, sagte Sander. „Damit hätte der Konzern ein Zeichen setzen und der Aktie neuen Schwung verleihen können.“

Im vergangenen Jahr hatte die Telekom einen Rekordverlust von fast 25 Milliarden Euro verbucht, Ende das Jahres 2002 lasteten noch Verbindlichkeiten in Höhe von 65 Milliarden Euro auf dem Konzern. Der Zeitraum von Januar bis März 2003 war der erste, der nach sechs verlustreichen Quartalen mit einem Überschuss abgeschlossen werden konnte. Dabei halfen positive Steuereffekte und der harte Sparkurs.

„Kein Grund zur Entwarnung“

„Unsere Effizienzsteigerungsprogramme greifen immer besser“, sagte Ricke. „In einem Umfeld, das im ersten Halbjahr konjunkturell schwierig war.“ Die Reformanstrengung der Bundesregierung gehe zwar in die richtige Richtung. „Aus unserer Sicht besteht allerdings kein Grund zur Entwarnung“, sagte der Vorstandschef. Er sehe keine Veranlassung, an der Zielsetzung etwas zu ändern: Im Gesamtjahr wolle die Telekom ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 17,2 Milliarden bis 17,7 Milliarden Euro sowie „eine schwarze Null unter dem Strich“ erreichen.

Gelassen blieb der Konzernchef, was die Klagen von Aktionären gegen die Telekom betrifft. Die Anleger fordern Schadenersatz, weil der Börsenprospekt (siehe Lexikon, Seite 19) beim dritten Börsengang der Telekom unrichtig gewesen sei. „Da gibt es nichts Neues“, sagte Ricke. Er bestätigte, dass auch in den USA kein Vergleich angestrebt werde.

Wachstumstreiber der Telekom bleibt T-Mobile. Allerdings drückt der schwache Dollar auf den Umsatz des Mobilfunkgeschäfts in den USA. Der Anstieg im Halbjahresvergleich betrug 19 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ebitda stieg um 27 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro, vor allem wegen guter Gewinne in den USA und inklusive der Wechselkurseinflüsse. T-Mobile zählt 25,3 Milliarden Kunden – zwei Millionen mehr als Vodafone D2.

Die nach wie vor stärkste Säule des Konzerns, das Festnetzgeschäft T-Com, litt unter der schwachen Konjunktur. Zwar blieb der Umsatz, bereinigt um den Verkauf des Kabelnetzes, konstant bei 14,6 Milliarden Euro. Im Inland habe man aber ein Umsatzminus von sieben Prozent verzeichnet, sagte Ricke. Im Festnetz macht der Telekom auch die neue Konkurrenz im Ortsnetz zu schaffen. Seit dem 25. April können Kunden auch dort auf Billiganbieter ausweichen. Für das Gesamtjahr bezifferte Ricke die Einbußen auf bis zu 200 Millionen Euro. Gemessen an den Verbindungsminuten habe die Telekom zehn Prozent Marktanteile verloren – in einem Markt, den sie zuvor zu 95 Prozent beherrschte.

Bis 2005 plant der Konzern einen Abbau von 55000 Arbeitsplätzen, vor allem bei T-Com. Dazu hat die Telekom eine interne Personal Service Agentur (PSA) eingerichtet. Sie soll Mitarbeiter, die frei werden, inner- oder außerhalb des Konzerns in neue Jobs vermitteln. In vier Monaten seien von 7400 PSA-Mitarbeitern mehr als 2200 vermittelt worden, davon 800 außerhalb der Telekom.

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