Wirtschaft : Die Telekom wird moralisch Konzern sperrt für Mitarbeiter Call-by-Call

Corinna Visser

Berlin - Manfred Freier ist wütend. Seit Jahren nutzt der Berliner Call-by-Call, um beim Telefonieren zu sparen. Seine Tochter führt gern ausführliche Gespräche mit Freunden auf Mallorca – da lohne es sich, die Sparnummern vorweg zu wählen, findet Freier. Um etwa 20 bis 25 Euro, so schätzt er, fällt seine Rechnung jeden Monat dank Call-by-Call niedriger aus. Doch seit ein paar Tagen bekommt er mit den Sparnummern keine Verbindung mehr. Ein technisches Problem? Blockiert die Telekom den Wettbewerb?

Ein Anruf bei der Telekom klärt das Problem. Das Unternehmen hat bei Freier tatsächlich alle Sparnummern, die mit 010 beginnen, gesperrt. „Ohne mich zu informieren“, ärgert er sich. Das sei ein unmögliches Verfahren. „Herr Freier braucht gar nicht so unschuldig zu tun“, erwidert ein Sprecher der Telekomfestnetzsparte T-Com. Der hält seinerseits das Verhalten von Freier für höchst unmoralisch.

Immerhin war der inzwischen pensionierte Freier 40 Jahre lang bei der Telekom beschäftigt und nutzt seit Jahren eine Vergünstigung, die das Unternehmen seinen Mitarbeitern bietet – auch ehemaligen. Telekom-Beschäftigte erhalten nämlich auf Wunsch einen ISDN–Anschluss, zahlen dafür aber nur den Preis eines analogen Anschlusses. Aber neben der Vergünstigung, die ihm sein alter Arbeitgeber bietet, will Freier auch vom Wettbewerb profitieren. Darum nutzt er die Angebote der Konkurrenz. Damit ist es nun vorbei – ohne Vorwarnung, beklagt Freier.

„Stimmt nicht“, entgegnet der T-Com- Sprecher. Und verweist auf die Überlassungserklärungen. Darin sei es den Mitarbeitern, die den vergünstigten Anschluss in Anspruch nehmen, untersagt, Call-by- Call oder Preselection zu nutzen. „Für jemanden, der wirklich zu dem Unternehmen steht, gehört es sich einfach nicht, andere Anbieter zu nutzen“, sagt der Sprecher. Geradezu verwerflich sei das.

Bisher hat die Telekom das verwerfliche Verhalten einiger Mitarbeiter toleriert. Doch damit sei nun Schluss, sagt der Sprecher. Nacheinander würden in den Vermittlungsstellen die 010er Nummern bei all denen gesperrt, die den Rabatt in Anspruch nehmen. Das wird eine Weile dauern. Die Telekom hat in Deutschland etwa 7900 Vermittlungsstellen, allein 100 davon in Berlin. Und die Umstellung muss per Hand eingegeben werden. Wie viele Anschlüsse betroffen sind, konnte der T-Com-Sprecher nicht sagen. Nur so viel: „Es geschieht ohne Ansehen der Person.“ Es würden keinesfalls zuerst die Anschlüsse derer gesperrt, die besonders häufig über die Konkurrenz telefonieren. Alles ganz korrekt also.

Mitnichten, findet Freier. Er will nun bei der Regulierungsbehörde prüfen lassen, ob die Telekom sich korrekt verhält. „Wenn sein Herz so sehr an Call-by-Call hängt, soll Herr Freier doch seinen Mitarbeiteranschluss kündigen“, rät der T-Com-Sprecher. Dann könne er ohne schlechtes Gewissen die Angebote der Konkurrenz nutzen.

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