Wirtschaft : Die Tigerbörsen finden wieder Freunde

mg HB

Mutige steigen langsam ein / Empfehlungen für Thailand, Hongkong, Singapur und Taiwanmg/HB

Asiens Tigerbörsen haben zum Auftakt des neuen Jahres einen ausgesprochenen Fehlstart hingelegt.Doch so kurios es klingt: Immer mehr Fondsmanager rufen ihre Kunden gerade aufgrund der ausgebombten Aktiennotierungen und des jüngsten Absturzes in Fernost zum Wiedereinstieg auf.Noch überwiegt die Zahl der Pessimisten klar.Sie verweisen auf anhaltende Wechselkursturbulenzen, auf das ungelöste Schuldenproblem in Südkorea, die desolate Lage bei Japans Banken und Versicherungen sowie politische Unsicherheiten in Verbindung mit Wahlen in Indonesien, Thailand und den Philippinen.Außerdem führen die Mahner in Sachen Fernostbörsen die tristen Gewinnaussichten der meisten Firmen in der Region an.Deren Kassenlage biete keinerlei Lichtblick, weil hohe Zinsen, steigende Einfuhrpreise und die restriktive Kreditpolitik der angeschlagenen Banken auf die Erträge drückten.Fondsmanager Thomas Mengel vom United International Growth Fonds will vor einem neuen Einstieg in Korea die Umstrukturierung der Industrie abwarten, auf Druck des Internationalen Währungsfonds sollen die Großkonzerne in überschaubare Einheiten zerlegt und mit neuen Chefs bestückt werden. Weniger betriebswirtschaftlich, dafür mehr volkswirtschaftlich und statistisch argumentieren die Optimisten, in deren Reihen sich immer mehr prominente Geldgurus finden.Sie empfehlen schlicht: Kaufen, wenn andere noch die Flucht ergreifen und die Märkte sich dem Boden nähern.Den wohl spektakulärsten Aufruf zur Rückkehr nach Korea hat in dieser Woche der US-Milliardär George Soros von sich gegeben.Nach einem Treffen mit dem frisch gewählten Staatspräsidenten am vergangenen Wochenende gab Soros zu Protokoll, er wolle Ende Januar ein Expertenteam nach Seoul entsenden, um einen Einstieg in größerem Umfang zu prüfen.In lokalen Zeitungen war die Rede von einer Milliarde Dollar.Soros hat das nicht bestätigt.Beobachter in Südkoreas Hauptstadt vermuten, daß der Fondsmilliardär eher an Direktinvestitionen als an die Börse denkt. Eine auffällige Häufung von Empfehlungen gibt es inzwischen für Thailand.Zu Jahresbeginn verrieten die Geldexperten bei Goldman Sachs ihrer Klientel, wer Zeit habe bis zum Jahr 2000 oder 2002, der finde jetzt günstige Einstiegsmöglichkeiten vor.Begründung: Die Aufräumarbeiten im Finanzgewerbe seien in Gang gekommen, 58 Finanzierungsgesellschaften seien geschlossen.Darüber hinaus sei die neue Regierung reformfreudiger als die alte, und es fänden sich immer mehr ausländische Investoren, die bei thailändischen Unternehmen einsteigen wollten.Die meisten schlechten Nachrichten, so der Hinweis von Goldman Sachs, seien in die Kurse eingebaut, und die Marktkapitalisierung der Börse in Bangkok liege nun bei 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.Das sei einer der niedrigsten Werte auf dem Globus.Ähnlich argumentiert der einflußreiche Fondsmanager Mark Möbius: Thailands Börse sei nun so tief abgestürzt, daß ihre Kapitalisierung kleiner als die der Singapur-Telekom sei. Zu den in jüngster Zeit immer öfter genannten "Geheimtips" unter Asiens Tigerbörsen gehören auch Hongkong, Taiwan und Singapur.Hier wird allerdings auffallend wenig die Gewinnsituation einzelner Unternehmen betont, sondern die volkswirtschaftlichen Grunddaten der Finanzplätze gesehen.Die Länder werden wie Firmen bewertet.An allen drei Orten haben sich die Gewinnvorhersagen führender Firmen bekanntlich zuletzt eingetrübt.Doch die Finanzbranche ist vergleichsweise gesund, die Auslandsschulden sind relativ gering und die Devisenreserven komfortabel bis stattlich.Und genau in jenen Branchen, die jetzt in Südkorea, Thailand, Malaysia und Indonesien so viel Sorge bereiten, stehen Hongkong, Taiwan und Singapur besser da: Die Banken in Singapur haben ihre Kredite an die gebeutelte Bauwirtschaft und den zerzausten Immobiliensektor in den vergangenen 18 Monaten zurückgefahren.Und die Geldhäuser in Hongkong und Taiwan sind ebenfalls relativ früh vorsichtiger geworden, das betont zum Beispiel Alfred Ho, Fondsmanager bei Invesco Asia.

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