Wirtschaft : Die Tigerstaaten machen mit den Reformen Ernst

Angeschlagene Finanzsysteme sollen nun stabilisiert werden / Fusionen und Übernahmen bestimmen das Bild

KUALA LUMPUR/SEOUL (mg/HB/dpa). Die Regierungen in Südkorea, Thailand, Malaysia und Indonesien verstärken zum Jahresauftakt ihre Bemühungen, ihre schwer angeschlagenen Finanzbranchen zu stabilisieren.Banken und Finanzierungsgesellschaften in diesen Ländern ächzen unter einem wachsenden Berg fauler Kredite.Doch in Bangkok, Jakarta und Kuala Lumpur scheinen die Verantwortlichen nun bereit, den Finanzsektor zu sichern. Am Mittwoch hatte die Regierung von Präsident Suharto beschlossen, vier der sieben Staatsbanken miteinander zu verschmelzen, ausländische Konkurrenten als Investoren zu Beteiligungskäufen zu ermuntern und auch die privaten Kreditinstitute zu den nötigen Umstrukturierungen zu drängen.Finanzminister Marie Muhammad kündigte in Jakarta an, die Bank Penbangunan Indonesia (Bapindo), die Bank Bumi Daya, die Bank Dagang Negara und die Bank Ekspor Impor Indonesia zu fusionieren.Unberührt von der Maßnahme sollen lediglich die Bank Negara Indonesia und die Bank Rakyat Indonesia bleiben.Eine neue Gesellschaft soll die faulen Kredite der Staatsbanken übernehmen.Diese Kredite, die erheblich in Verzug sind, sollen 16 Prozent der gesamten Kreditsumme ausmachen.Die lange erwartete Entscheidung kam einen Tag, nachdem ein Gericht die Liquidation der Bank Jakarta, an der ein Halbbruder von Präsident Suharto die Mehrheit der Anteile hält, für nichtig erklärte. Die jüngsten Maßnahmen basieren auf einer Vereinbarung mit dem IWF, der für Indonesien Ende Oktober ein Hilfspaket im Umfang von 33 Mrd.Dollar schnürte und die Sanierung des Finanzsektors zur Auflage machte.Die Bereinigung des Staatsbankensektors soll bis Ende Juli abgeschlossen sein.Die neue Staatsbank soll die größte des Landes werden.Auch in Malaysia soll das Geldgewerbe über Fusionen saniert werden.Die Bank Negara will die 35 Finanzierungsgesellschaften des Landes auf vier bis sechs große Institute verschmelzen.Hinter den Kulissen scheint es noch erhebliche Widerstände zu geben. In Malaysia wie in Indonesien ließ der Wertverfall der lokalen Währung die Auslandsschulden vieler Firmen explodieren, was immer mehr Kreditkunden bei der Rückzahlung säumig werden läßt.Knapp über 6 Prozent der Kredite in Malaysia sind nach offiziellen Angaben faul geworden.Analysten erwarten, daß diese Quote auf 15 bis 20 Prozent steigt.Auch in Thailand hat die Notenbank nach langem Zögern Ernst gemacht.Die Bank of Thailand setzte kurzerhand den Präsidenten und die meisten Vorstände der Bangkok Metropolitan Bank (BMB) ab.Das Geldhaus muß sein Eigenkapital um umgerechnet 350 Mill.DM aufstoêken.Nachdem sie Anfang Dezember 56 Finanzgesellschaften schloß, hat sich die Notenbank von Thailand das Ziel gesetzt, die verbleibenden 15 Geschäftsbanken und 35 Finanzierungsgesellschaften durch höhere Eigenkapitalanforderungen zu stärken.Die meisten Institute arbeiten inzwischen an dieser Vorgabe, indem sie mit ausländischen Interessenten über mögliche Beteiligungen verhandeln.Daß die Sanierung der Geldbranche in den drei Ländern unter erheblichem Druck stattfindet, wurde zum Auftakt des neuen Jahres am Devisenmarkt deutlich.Sowohl Thailands Baht, als auch die indonesische Rupiah und der malaysische Ringgit gerieten erneut in eine Abwärtsspirale.Dagegen konnte sich Koreas Börse an ihrem ersten Handelstag im neuen Jahr deutlich erholen.Das Finanzministerium in Seoul bildete am Sonnabend einen Beraterstab, um den Verkauf von zwei Banken an Dritte vorzubereiten.TV-Berichte, wonach die Citibank und Chase Manhattan bereits Interesse an der Korea First Bank beziehungsweise der Seoul Bank gezeigt hätten, blieben jedoch unbestätigt. Unterdessen hieß es in einem Radiobericht, Südkorea wolle im ersten Quartal 1998 im Ausland neue Schulden in Höhe von 25 Mrd.Dollar machen.Damit wolle der Staat fällige Auslandskredite ablösen, berichtete ein Rundfunksender am Sonntag unter Berufung auf das Finanzministerium.Der künftige Präsident Kim Dae Jung wollte sich am Sonntag abend mit dem US-Großinvestor George Soros über die Krise beraten.

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