Wirtschaft : Die Trauer ist uns teuer

Über den Tod spricht man nicht – aber man sollte es: Bestatter bieten Beerdigungen für 2000, aber auch für 13 000 Euro an

Susanne Herr

Der Schock ist groß, Schmerz und Verzweiflung sitzen tief. Wer einen nahen Angehörigen oder einen guten Freund verliert – egal, ob nach langer Krankheit oder durch einen Unfall – fühlt sich von den bürokratischen Abläufen, die dann zu erledigen sind, oft überfordert. Wer will schon an die Kosten einer Bestattung denken, wenn es darum geht, sich würdig von Eltern oder Geschwistern zu verabschieden?

Es ist daher keineswegs pietätlos, sondern sinnvoll, sich mit solchen Fragen möglichst dann auseinander zu setzen, wenn man noch den nötigen Abstand hat und sich nüchtern mit dem Thema beschäftigen kann. Denn Bestattungen kosten viel Geld.

Nach Berechnungen des Verbraucherverbandes Aeternitas e.V. kann eine Beerdigung zwischen 2200 und 12 900 Euro kosten. Zwar hilft in vielen Fällen der Staat, doch der Zuschuss – das so genannte Sterbegeld – wird bald gekürzt (siehe nebenstehenden Artikel). „Wer nicht genügend Geld für seine Beerdigung hinterlassen kann, der sollte eine private Sterbeversicherung abschließen“, rät deshalb Renate Nixdorf von Aeternitas. Dann müssen nicht die Angehörigen für die Kosten aufkommen, sondern die Versicherung. Und man verhindert für den Fall, dass die Verwandten ebenfalls mittellos sind, eine Sozialbestattung. „Das Sozialamt übernimmt maximal Kosten bis zu 1500 Euro und wählt die günstigste Bestattungsart“, erklärt Nixdorf. Dabei könne es sich auch um ein anonymes Urnengrab handeln – wenn der Verstorbene vorher nicht explizit etwas Gegenteiliges verfügt habe.

In die Sterbeversicherung hingegen zahlt man nur so lange ein, bis die Kosten für die eigene Bestattung abgedeckt sind. „Wie diese aussehen soll, kann man schon vor dem eigenen Tod präzise mit seinem Bestatter absprechen“, sagt Wolfgang Zocher, Präsident des Bundes der Deutschen Bestatter. „Einer Drittperson übergibt man die Vertragskopie, die dann über die Einhaltung der Vereinbarung wacht.“

Aeternitas rechnet die Kosten einer Bestattung aus vier Blöcken zusammen: Die Bestatterkosten liegen zwischen 1000 und 5000 Euro, Friedhofsgebühren zwischen 500 und 4000 Euro, die Kosten der Blumendekoration schwanken zwischen 400 und 900 Euro. Hinzu kommen die Kosten für das Grabmal zwischen 300 und 3000 Euro. Die großen Schwankungen erklären sich zum einen durch unterschiedliche Leistungen: Soll der Bestatter ein Kaffeetrinken nach der Beisetzung organisieren oder einen Trauerredner engagieren? Wer beides bejaht, muss mit höheren Kosten rechnen. „So unterschiedlich wie die Lebensstile sind auch die Bestattungen“, meint Zocher. Aeternitas rät deshalb, sich vom Bestatter – der meist ein „Rundum-Paket“ anbietet – eine Aufstellung aller Kostenpunkte geben zu lassen. So kann man die einzelnen Dienstleistungen besser kontrollieren. Große Unterschiede gibt es aber auch bei den Särgen. Eiche ist teurer als Kiefer, und Importe aus Osteuropa können „im zweistelligen Prozentbereich“ billiger sein als deutsche Produkte, sagt Siegfried von Laufenberg, Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Sargindustrie. Dies erklärt Preisunterschiede zwischen 300 und 6000 Euro pro Sarg.

Große Unterschiede bei Gräbern

Aber auch die Art der Bestattung hat Einfluss auf die Kosten. So unterscheidet man grundsätzlich Reihen- und Wahlgräber sowie Feuer- und Erdbestattungen. Reihengräber sind billiger als Wahlgräber, da dort die Verstorbenen auf einem ausgewiesenen Feld nacheinander bestattet werden. „Es ist aber nicht möglich, dass später im selben Grab noch ein Familienmitglied beigesetzt wird“, sagt Nixdorf. „Bei Wahlgräbern ist das anders.“ Ebenso sind Feuerbestattungen, die immerhin rund 40 Prozent aller Bestattungen in Deutschland ausmachen, meist billiger als Erdbestattungen.

„Die Gebühren sind in den letzten Jahren stark gestiegen“, erklärt Nixdorf. Deshalb gibt es seit etwa zehn Jahren einen Trend zu anonymen Beisetzungen, um noch einmal Kosten zu sparen. Früher ließen sich nur rund acht Prozent der Verstorbenen anonym beerdigen, heute sind es schon 15 Prozent. Dadurch fallen Kosten für die Grabpflege weg. Als weitere Alternative gibt es auch Gemeinschaftsgräber mit einem zentralen Gedenkstein, so dass den Angehörigen ein Ort der Erinnerung geboten wird. „Wir beobachten, dass die Hinterbliebenen bei einer günstigen Alternative aber lieber ein normales Grab wählen“, sagt Nixdorf.

Dazu gehören dann auch Gedenksteine. Grabsteine werden zunehmend individueller gestaltet, heißt es beim Bundesinnungsverband des Deutschen Steinmetz-, Stein- und Holzbildhauerhandwerks. „Welche Summe für einen Grabstein ausgegeben wird, hängt aber auch von der Region ab“, meint Bundesinnungsmeister Martin Schwieren. In Bayern ist es mehr, in Ostdeutschland weniger. So erklären sich Preisunterschiede zwischen 300 und 4000 Euro.

Beachtet werden müssen bei Wunschgräbern jedoch immer bestimmte Gestaltungsvorschriften. So schreibt zum Beispiel die Mustersatzung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes vor, dass „jede Grabstätte so zu gestalten und so an die Umgebung anzupassen ist, dass die Würde des Friedhofs in seinen einzelnen Teilen gewahrt bleibt“.

Letzte Ruhe auf hoher See

Wer sich diesen Vorschriften nicht unterwerfen will und sich eine noch individuellere Bestattung wünscht, dem bleiben in Deutschland nur wenige ausgefallene Bestattungsformen. Denn grundsätzlich besteht Friedhofszwang. Aber pro Jahr werden auch etwa 4000 Seebestattungen vorgenommen. Die Deutsche Seebestattungsgenossenschaft (DSBG) verfügt über Schiffe und Partnerunternehmen in der Nord- und Ostsee sowie im Atlantik, Pazifik und im Roten Meer. „Zu haben sind Seebestattungen ab rund 1000 Euro“, erklärt Britta Paulsen von der DSBG. „Zuvor schlagen aber noch 1500 bis 2000 Euro für die Einäscherung zu Buche.“

Diese Form der Beisetzung ist damit nicht viel preiswerter als eine Erdbestattung. Für die Seebestattung benötigt man außerdem eine Sondergenehmigung der Heimatgemeinde. „Man muss seine Verbundenheit mit der See unter Beweis stellen“, erklärt Paulsen. Diese Vorschrift sei jedoch ein „Gummi-Paragraph“, also auslegungsbedürftig, erklärt Paulsen. Mitunter reiche es aus, lange Zeit an der See gewohnt zu haben. Durchgeführt wird eine Seebestattung vom Kapitän, bis zu zwölf Angehörige dürfen an einer Trauerfeier auf einem Schiff der DSBG teilnehmen. Eine weitere Idee zur Bestattung kommt aus der Schweiz: In so genannten Friedwäldern wird die Asche der Verstorbenen den Wurzeln der Bäume beigefügt. Zwei Friedwälder gibt es inzwischen auch in Hessen. „Familien zahlen für einen Baum rund 3400 Euro“, erklärt Axel Baudach, Geschäftsführer der Friedwald GmbH. „Ein Einzelgrab erhält man schon ab 770 Euro.“ Schon etwa 60 Verstorbene habe die Firma seit einem Jahr beerdigt. Doch Nixdorf bezweifelt, dass sich diese Bestattungsform langfristig durchsetzen kann. „Freunde haben wegen der langen Anfahrtzeiten kaum Gelegenheit, die Toten zu besuchen.“ Mehr Veränderung könnte da schon ein Gesetzesentwurf in Nordrhein-Westfalen mit sich bringen: Danach sollen Angehörige künftig die Möglichkeit bekommen, Urnen auch mit nach Hause zu nehmen.

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