Wirtschaft : Die Truppe freihändig beraten

Der 11,7-Millionen-Euro-Auftrag für die Unternehmensberatung Roland Berger wurde nicht ausgeschrieben

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Berlin (bib/fo/uwe). Der 11,7 Millionen Euro schwere Beratervertrag des Bundesverteidigungsministeriums an die Unternehmensberatung Roland Berger ist zum größten Teil nicht in einem transparenten Vergabeverfahren vergeben worden. Für die StrategieBeratung im Auftrag der bundeswehreigenen Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb (GEBB) ist nach Informationen dieser Zeitung nur ein Anfangsauftrag erteilt worden, der rund zwei Millionen Euro umfasste.

Damit wird auch die Darstellung des ehemaligen Bundesverteidigungsministers Rudolf Scharping (SPD) plausibel, der gesagt hatte, er habe nur einem Auftrag zugestimmt, der wesentlich kleiner gewesen sei. Der Beraterauftrag war im Jahr 2001 nach Vorgesprächen vergeben worden, an denen insgesamt vier Beratungsunternehmen beteiligt worden sind.

Aus Kreisen der Beteiligten erfuhr der Tagesspiegel, dass bei diesen Gesprächen nur ein Volumen von einigen 100000 Euro in Aussicht gestanden habe. Wie es nach diesen Gesprächen zu einem Erstauftrag von damals 4,176 Millionen Mark gekommen sei, sei nicht nachzuvollziehen. Nach dem Anfangsauftrag sind insgesamt neun Änderungsverträge geschlossen worden, die allesamt ohne Ausschreibung an die Münchner Unternehmensberatung Roland Berger gegangen sind.

Das wirft erneut ein Schlaglicht auf die Vergabepraxis der öffentlichen Haushalte auf einem Markt, der nach Schätzungen von Branckenkennern inzwischen pro Jahr um die 1,2 Milliarden Euro schwer ist – und weiter dynamisch wächst. Immer noch aber ist die Vergabe der Beratungsaufträge weder einheitlich geregelt noch transparent: Überbürokratisierte Verfahren, in denen nichts vorankommt, wechseln sich mit freihändigen Aufträgen von Behördenchefs ab. Vor allem im Bereich der persönlichen PR- und Imageberatung spielt offenbar das Verhältnis von Amtsinhaber und Berater eine entscheidende Rolle. Bei Strategie- und Informationstechnikaufträgen sei die Vergabe dagegen in aller Regel restriktiv. Die großen Unternehmensberatungen arbeiten inzwischen meist mit Vergabeexperten zusammen, die ihnen signalisieren, welcher Auftrag wie vergeben werden muss – weil die öffentliche Hand es alleine eben nicht zuverlässig hinkriege, wird in der Branche gespottet.

Um das Premiumsegment des Marktes – die Strategieberatung von Ministerien und großen Behörden wie der Bundesanstalt für Arbeit – konkurrieren vor allem die großen Unternehmensberatungen McKinsey, Boston Consulting, Booz Allen Hamilton und Roland Berger. Insgesamt rund 100 Berater sind für diese Unternehmen im Wettbewerb um die öffentlichen Aufträge, im Beraterenglisch Public Affairs genannt, unterwegs.

Andere haben sich auf den schnell wachsenden Markt für Informationstechnik spezialisiert. Die Berater der Telekom-Tochter T-Systems, von Accenture, CSC Ploenzke, Mummert und KPMG gehen den Ministerien inzwischen zur Hand. Die rot-grüne Bundesregierung hat nach eigenen Angaben seit Übernahme der Regierungsverantwortung 1998 insgesamt 361 Beratungsverträge für knapp 48 Millionen Euro vergeben. Der Löwenanteil der Aufträge entfiel auf den jetzt umstrittenen Auftrag des Verteidigungsministeriums und auf das Verkehrsministerium (rund 18 Millionen Euro).

Das Verkehrsministerium hat seit 1998 insgesamt 16 Berateraufträge vergeben. Um den Bundesverkehrswegeplan zu erstellen, bedient sich das Ministerium regelmäßig wissenschaftlichen Sachverstandes. An den Planungen für das Mautsystem waren unter anderem die Berater von Prognos beteiligt. Gutachter engagierte Stolpes Haus für Kapazitätsanalysen in der deutschen Binnenschifffahrt oder für den geplanten Börsengang der Bahn AG. Hier wurde die US-Investmentbank Morgan Stanley beauftragt. Externer Sachverstand wird aber auch intern genutzt: Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG durchforstet das Ministerium nach Rationalisierungspotenzialen.

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