Wirtschaft : Die Tücken der Privatisierung

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Ende der 70er Jahre lag Großbritannien wirtschaftlich am Boden. Schuld daran war die verkrustete, unproduktive und wenig innovative Wirtschaft. Viele der so genannten Schlüsselindustrien – Bergbau, Versorgung, Stahlindustrie, Verkehrsunternehmen – waren seit dem Krieg verstaatlicht worden, vor allem auf Betreiben der LabourPartei. Gewinnstreben hatte allerdings nicht die wichtigste Rolle gespielt, seit die Unternehmen der Politik unterstellt worden waren.

Die Maßnahme: Kurz nach ihrem Amtsantritt begann die konservative Premierministerin Margaret Thatcher mit einer umfangreichen Privatisierung. Wasserbetriebe, die Ölgesellschaft British Petroleum, der Telefonkonzern British Telecom oder die Autofirmen Rover und Rolls-Royce – alle wurden an Investoren verkauft oder an die Börse gebracht. Auch das Eisenbahnsystem wurde privatisiert: Schienen, Signale und Bahnhöfe gingen in den Besitz der Netzgesellschaft Railtrack über, um den Zugverkehr durften sich Eisenbahngesellschaften bewerben.

Die Folgen: Die Privatisierungspolitik hat dazu beigetragen, Großbritannien wieder zu einem der wettbewerbsfähigsten Industrieländer zu machen – mit Ausnahme der Eisenbahn. Nach zahllosen Unfällen, Verspätungen, Zugausfällen und gleichbleibend schlechtem Service beendete London 2002 das Projekt. Es war fehlgeschlagen, weil Railtrack zuallererst die Rendite seiner Aktionäre im Kopf hatte – und erst dann die Qualität des Schienennetzes. Verkehrsexperten warnen Deutschland deshalb davor, das Gleisnetz in private Hände zu geben und es mitsamt der Deutschen Bahn zu verkaufen. brö

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