Wirtschaft : Die Tui in Frenzels Hand

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Von Flora Wisdorff

Michael Frenzel will mit aller Kraft sein Konzept durchbringen: den Konzern auf Tourismus trimmen – sein Konzept von Tourismus. Anfangs sah die Strategie gut aus. Der ehemalige Mischkonzern, der neben Reisen auch Kohle und Stahl verkaufte, konzentrierte sich auf das Geschäft mit den Reisen. Das war vor ein paar Jahren noch viel versprechend, als der Tourismus ewige Wachstumsraten verhieß und immer mehr sonnenhungrige Nordeuropäer sich an den Mittelmeerstrand legten. Jetzt sieht das anders aus, da wegen Terror, Krieg, Konjunkturkrise und jetzt auch noch Sars die Leute zu Hause bleiben. Der Tourismus steckt in der Krise und damit auch die Tui.

Auf das veränderte Verhalten der Kunden mit einer Billigstrategie zu reagieren, mag ein Schritt in die richtige Richtung sein. Langfristig könnte die Konzentration auf „Billig“ aber auch der Marke Tui schaden. Was auch immer Frenzel tut: Falsch ist es auf jeden Fall, die neue Strategie ohne die Fachkenntnis von Tourismusexperten zu fahren. Denn Ralf Corsten und Charles Gurassa, zwei der soeben geschassten Vorstände, verstehen etwas vom Geschäft. Corsten hat im Alter von 26 Jahren bei Tui angefangen und war TuiDeutschland-Chef, Gurassa arbeitete lange Jahre bei Thomas Cook in Großbritannien und baute bei British Airways den Billigflieger Go auf, bevor er sich bei der Tui um Hapag-Lloyd-Express kümmerte. Jetzt ist vor allem Michael Frenzel zuständig für den Tourismus - und es ist fraglich, ob der ehemalige Banker die Erfahrung der beiden ersetzen kann. Dass das plötzliche Schrumpfen des Vorstands lediglich mit einer „Effizienzsteigerung“ zu tun hat, wie Frenzel beteuert, ist schwer zu glauben. Dass es Streit um Kompetenzen und Strategien gab, schon eher. Die Machtkämpfe im Vorstand belegen die Orientierungskrise der Tui.

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