Wirtschaft : „Die Unannehmlichkeiten tun uns leid“

Die Sindelfinger Bitzer GmbH und ein Exmitarbeiter streiten sich. Der Mann sitzt in einem indonesischen Gefängnis und der australische Außenminister ist besorgt

Moritz Kleine-Brockhoff

Jakarta. Darin Seagrove geht es nicht gut. Der Exmitarbeiter der Bitzer Kühlmaschinenbau GmbH sitzt in der Nähe von Jakarta im Knast. Seagrove hatte seit 2001 bei der Indonesien-Niederlassung von Bitzer gearbeitet, vor einem halben Jahr feuerte die Firma den Australier von heute auf morgen. „Zwischen Darin und einem deutschen Manager hatte es mächtig gekracht“, sagt Seagroves Schwester Danielle. Später zeigte Bitzer den ehemaligen Angestellten an, und zwar wegen Diebstahls. Der 38-Jährige hatte nämlich nach seiner Entlassung seinen Dienstwagen und einen Videoprojektor behalten. Seagrove fand, dass ihm eine hohe Abfindung zustünde, er wollte Auto und Projektor angeblich nach einer Einigung mit Bitzer zurückgeben.

Die Kühlexperten aus Baden-Württemberg, weltweit in 20 Ländern vertreten, und der Australier haben sich bis heute nicht geeinigt. Der Streit verläuft für Bitzer ziemlich gut und für Seagrove sehr schlecht. Bitzer bekam im Sommer mit Polizei- oder Gerichtshilfe Dienstwagen und Videoprojektor zurück. Seagrove bekam bislang keinen Cent Abfindung. Und die indonesische Staatsanwaltschaft hat – trotz Rückgabe der Gegenstände – Anklage erhoben. Seit Oktober hockt Seagrove nun im Gefängnis. Dort, sagt die Schwester, habe er sich möglicherweise Typhus geholt, er habe Fieberschübe und kribbelnde Hände.

Australiens Außenminister Alexander Downer sagte, er sei „besorgt“ über Inhaftierung und Gesundheitszustand von Seagrove. Australiens Diplomaten haben mittlerweile für ärztliche Behandlung gesorgt. Aber bezogen auf die Haft meinte Außenminister Downer: „Wir können das indonesische Gesetz nicht ändern, und wir können nicht die Armee schicken.“ Darin Seagrove kommt auch gegen Kaution nicht frei. Nach Familienangaben wurde seine vorläufige Haft verlängert – bis zum 26. Januar 2004. „Offensichtlich schmiert Bitzer Polizei und Gericht, das ist im korrupten Indonesien kein Problem. Solange es keine Abfindungseinigung gibt, soll Darin fertig gemacht werden. Was ihm widerfährt, ist völlig unverhältnismäßig", sagt ein Mann aus Seagroves Umfeld.

„Das Kriminalverfahren läuft zwischen Herrn Seagrove und dem Staatsanwalt“, sagt der indonesische Rechtsvertreter der Bitzer GmbH, „wir haben keine Macht, das Resultat zu beeinflussen“. Die Firma habe auch keine Kontrolle in der Frage, ob der Australier hinter Gitter gesteckt werde oder nicht. Der Anwalt versichert, Bitzer habe nur sein Eigentum zurückhaben wollen: „Wir haben Herrn Seagrove mehrfach vergeblich um Rückgabe gebeten. Dann taten wir, was weltweit üblich ist: Wir haben Anzeige erstattet. Wir wollten Herrn Seagrove keine Unannehmlichkeiten machen. Sollte er diese wegen der Anzeige erfahren – Haft ist natürlich eine Unannehmlichkeit – tut uns das Leid.“

„Mein Bruder hatte Anfang des Jahres einen neuen Fünfjahresvertrag erhalten“, sagt Seagroves Schwester, „nach fristloser Kündigung im Mai ohne Nennung von Gründen wollte er 80 000 Euro Abfindung, Bitzer hat 25 000 geboten, es gab keine außergerichtliche Einigung.“ Daraufhin habe ihr Bruder Zivilklage gegen Bitzer erhoben, das Verfahren sei aber von einem indonesischen Richter nicht angenommen worden. Seagrove hat gegen die Richterentscheidung Einspruch eingelegt. Bitzer hat zwar noch nichts an den Australier gezahlt, bestreitet aber nicht, dass ihr Exmitarbeiter Anspruch auf Abfindung hat. Sechs Monatsgehälter, abzüglich „gewisser Gegenansprüche“ des Hauses Bitzer, stünden Seagrove zu, sagt der Anwalt der Firma. Man habe sogar ein ganzes Jahresgehalt als Abfindung angeboten, aber Seagrove habe fünf Jahresgehälter gefordert. Bitzer wolle immer noch einen Vergleich.

Darin Seagrove will in der kommenden Woche wieder versuchen, auf Kaution freizukommen. Eine gute Nachricht gibt es: Ärzte berichten, dass es Seagrove nicht fürchterlich schlecht gehe. Seine Inhaftierung sorgt unter indonesischen Rechtsexperten indes für Kopfschütteln. Einige glauben, dass nicht alle Hintergründe des Falls bekannt seien: „Der blöde Toyota kann nicht die ganze Geschichte sein. Seagrove muss Bitzer anders fürchterlich wütend gemacht haben“, sagt ein Anwalt, der nichts mit dem Fall zu tun hat.

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