Wirtschaft : Die Unsicherheit wächst - aber mit den richtigen Papieren bleibt man flexibel

Thomas Luther

Immer wenn in Deutschland gewählt wird, kommt die Fünf-Prozent-Marke ins Spiel. Für die Parteien ist sie die entscheidende Hürde, um den Einzug in das Landes- oder Bundesparlament zu schaffen. Gelingt der Sprung, sind Renommee und vor allem Geld nahezu sicher. Wer jedoch scheitert, dem droht auf Dauer die politische Bedeutungslosigkeit.

Die Chancen sind hoch, dass in diesem Herbst die Fünf-Prozent-Marke auch für Rentenanalysten zur entscheidenden Hürde wird. In der Expertengilde wird eifrig diskutiert: Ist der jüngste Zinsanstieg nur ein Strohfeuer am Rentenmarkt, oder werden die Renditen weiter steigen? Pessimisten glauben fest daran, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe noch bis Jahresende die magische Grenze von fünf Prozent überspringt (aktuell: 4,75 Prozent)

"Wir gehen davon aus, dass die Zinsen in Euroland in den nächsten Monaten peu à peu steigen", bezieht Werner Fey, Rentenanalyst bei der Commerzbank, klare Position. "Aus strategischer Sicht ist es noch sehr früh, bereits jetzt auf einen Zinsanstieg zu setzen", hält das Rentenresearch der WestLB dagegen. Unumstritten ist bei den Experten nur eins: Der lang anhaltende Zinsabschwung der letzten Jahre ist wohl endgültig vorbei. Die Rekordtiefstände vom Frühjahr werden die Rentenanleger und Häuslebauer wohl nicht mehr so schnell wiedersehen.

Auch in einem weiteren Punkt herrscht bei Strategen und Analysten weitgehend Einigkeit - und der ist noch wichtiger: Konservative Anleger sollten etwa zehn Prozent ihres Vermögens flüssig halten. "Um etwas in petto zu haben, wenn die Zinsen stark steigen", begründet Kai Franke von der BHF-Bank die Sicherheitsreserve. Geldmarktfonds oder Tagesgeldkonten sind dafür eine ideale Parkstation. 45 bis 50 Prozent des Depots sollten dagegen schon jetzt in Rentenpapieren angelegt werden. Die Frage ist nur: in welche?

"Wenn die Zinsen steigen, haben mittlere Laufzeiten in der Vergangenheit die besten Ergebnisse gebracht", weiß Commerzbank-Analyst Fey. Unter mittleren Laufzeiten verstehen die Fachleute dabei drei- bis fünfjährige Papiere. "Dabei nur auf Europapiere und Schuldner mit erstklassiger Bonität setzen", rät Anlagestratege Franke. "Also Bundesanleihen, -obligationen und Pfandbriefe mit entsprechenden Restlaufzeiten."

Anleihen auf Dollar bleiben für konservative Anleger tabu. Zwar werfen US-Papiere deutlich höhere Renditen ab, aber die Gefahr, dass sich der Kurs des Euros in den nächsten Monaten erholt, ist groß. Dann drohen Dollar-Anlegern Währungsverluste.

Für Anleger, die sicher wissen, dass sie die Papiere bis zum Ende der Laufzeit halten, sind Pfandbriefen erste Wahl. Ihre Liquidität ist zwar nicht ganz so hoch wie die der Bundespapiere. Dafür bringen sie ein paar Zehntel Prozentpunkte mehr an Rendite.

"Nach dem Zinsanstieg sollten steuersensible Zinssparer außerdem Emissionen suchen, deren Kurs unter 100 Prozent notiert", empfiehlt Franke. Der Grund: Bei Fälligkeit werden die Papiere zum Nennwert eingelöst. Die Differenz zwischen Kaufkurs und Rückzahlungsbetrag ist steuerfrei, soweit die Spekulationsfrist eingehalten wird.

Aber auch wer einen weiteren Zinsanstieg befürchtet, wird am deutschen Rentenmarkt fündig. Mit Bundesschatzbriefen zum Beispiel bleiben Zinspessimisten flexibel. Die Schätze können nach einen Jahr jederzeit und ohne Verlust zurückgegeben und in andere Anlagen umgeschichtet werden (siehe Kasten). Damit sind sie in unsicheren Zinszeiten geradezu ideal für die mittelfristige Anlage freier Gelder. Ohne großes Kursrisiko sind auch Floating-Rate-Notes - im Fachjargon kurz Floater genannt. Der Kupon dieser Papiere wird in regelmäßigen Abständen (meist halbjährlich oder jährlich) an einen bestimmten Bankzins angepasst - in der Regel den Euribor oder Libor.

Der Haken: Variabel verzinste Anleihen sind häufig an die kurzfristigen Geldmarktzinsen gekoppelt. Mit ihnen profitiert der Anleger nur dann, wenn die Zinsen auf breiter Front steigen. Im schlechtesten Fall ziehen nur die Renditen im Fünf- bis Zehnjahresbereich an, während alles andere gleich bleibt. Dann bekommen Besitzer von Floatern nur den vergleichsweise mageren Zins.

Wer diese Zinsfalle umgehen will, greift zur Corex-Anleihe der Commerzbank. Ihre Verzinsung wird jährlich an die in der Regel höheren Zinssätze für langfristige Anlagen angepasst: Der Kupon beträgt 76 Prozent der Rendite des Rex-Index für zehnjährige Rentenpapiere. Sollte der Zins unerwartet fallen, braucht das Anleger nicht zu schrecken. Der Bond bringt in jedem Fall die Mindestverzinsung von 3,0 Prozent.

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