Wirtschaft : Die Unterhaltungselektronik im Visier

Computerfirmen wie Apple bauen Musikspieler und Fernseher, weil sie sich höhere Gewinne versprechen

-

Berlin (msh). Die amerikanische ITIndustrie startet einen Großangriff auf die Branche für Unterhaltungselektronik. Apple-Chef Steve Jobs präsentierte am Dienstag auf seiner Hausmesse Macworld in San Francisco eine Miniaturversion seines erfolgreichen digitalen Musikspielers Ipod. Und auf der heute beginnenden Consumer Electronics Show in Las Vegas, die Messe hat in den USA eine ähnliche Bedeutung wie in Deutschland die Funkausstellung, stellen mehrere Computerfirmen wie Motorola und Hewlett Packard eigene Flachbildschirmfernseher vor.

Die Hightechfirmen wollen mit der Produktoffensive in neue Märkte vorzustoßen. „Das Wachstum beim Absatz von Personal Computern schwächt sich ab und die Gewinnmargen schrumpfen. Die Unternehmen müssen neue Felder besetzen“, sagt Takis Spiliopoulos, Technologieexperte des Schweizer Bankhauses Vontobel. Zudem wachsen die Welten von Computern und Unterhaltungselektronik zusammen. Heute besteht die Möglichkeit, Inhalte wie Fotos, Musik oder Filme zu digitalisieren und auf unterschiedlichen Geräten abzuspielen.

Der Computerproduzent Apple hat diesen Trend als einer der ersten erkannt und mit dem Ipod einen eigenen MP3-Player auf den Markt gebracht, der digitale Musikstücke abspielen kann. Der neue Ipod Mini ist so groß wie eine Visitenkarte und kann dennoch rund 1000 Lieder speichern. Das Gerät wird in Deutschland 299 Euro kosten. Apple-Chef Jobs sagte, mit dem neuen Ipod wolle Apple seine Marktführerschaft bei tragbaren MP3-Playern weiter ausbauen. Das Unternehmen hält nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 31 Prozent.

Parallel zur Einführung des ersten Ipod startete Apple die Webseite Itunes, auf der die Songs aller großen Plattenlabel heruntergeladen werden können. Im vergangenen Jahr hat Apple in den USA 30 Millionen Lieder, viele für 99 Cent das Stück, verkauft. Nach Ansicht von Technologieexperte Spiliopoulos dient der Online-Dienst vor allem dazu, den Verkauf der Ipod-Geräte anzukurbeln: „Das meiste Geld verdient Apple nicht mit der Webseite, sondern mit den Geräten, die hohe Margen abwerfen.“ Ähnliche Musikdienste planen Hewlett Packard, Dell und Microsoft.

Sehr attraktiv ist für die Computerbauer auch der Verkauf von Fernsehern mit Flachbildschirmen. Die Technologie beherrschen sie, weil Plasma- und LCD-Fernseher die gleiche Technologie nutzen, wie sie auch bei Computerbildschirmen verwendet wird. Der Markt für die flachen Fernseher explodiert derzeit. Nach Schätzungen der Marktforschungsfirma IDC wird der Anteil der Flachbildfernseher am Gesamtabsatz weltweit von 4,5 Prozent in diesem Jahr auf 8,3 Prozent im Jahr 2005 steigen. In Deutschland waren im Weihnachtsgeschäft die Geräte vielerorts ausverkauft, berichtet die Gesellschaft für Unterhaltungselektronik.

Das Geschäft wollen die Computerhersteller nicht allein Sony, Philips oder Panasonic überlassen. Den Anfang machte im vergangenen Jahr der US- Computerbauer Gateway, der in den USA inzwischen die meisten Flachbildfernseher verkauft. Es folgten Ankündigungen von Motorola, dem japanischen Druckerspezialisten Epson und von Hewlett Packard (HP). HP-Chefin Carly Fiorina wird auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas die Begrüßungsrede halten.

Branchenexperten rechnen damit, dass sie dabei die neue Strategie von HP für den Endkundenmarkt vorstellen und neue Geräte präsentieren wird. Eine Sprecherin von HP Deutschland sagte, Fiorina werde zwei Flachbildschirmfernseher und neue DVD-Rekorder präsentieren. Die Geräte sollen 2004 aber noch nicht nach Europa kommen. Motorola wird auf der Messe zehn Flachbildfernseher vorstellen. Der Handy- und Chiphersteller verkauft einen Teil der Geräte bereits in China und peilt jetzt den US-Markt an.

Nicht untätig auf dem Feld der Unterhaltungselektronik sind auch der Chiphersteller Intel und der Softwarekonzern Microsoft. Im Mittelpunkt ihrer Strategie steht die Vernetzung von PC, Hifi-Anlage und Fernseher. Intel kündigte in Las Vegas an, 200 Millionen in Unternehmen zu investieren, die Hard- und Software für das „Digitale Zuhause“ entwickeln.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben