Wirtschaft : Die Urlaubsexperten

Wer in der Reisebranche aufsteigen will, wählt eine Weiterbildung zum Tourismusfachwirt. Dabei lernt man, Trends zu erkennen.

Lara Sogorski
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Heute ist Radmila Glavas wieder zufrieden in ihrem Beruf. Die 44-Jährige arbeitet bei TCME touristic concept in Berlin, einer touristischen Marketingfirma. Dort betreut die gebürtige Kroatin meist Kunden aus Südosteuropa und organisiert Veranstaltungen für Tourismusunternehmen. Dass sie die Stelle bekommen hat, verdankt sie auch einer Weiterbildung zum Tourismusfachwirt.

Als Glavas vor mehr als 20 Jahren nach Deutschland kam, mit einem kroatischen Abschluss als Touristik- und Hotelkauffrau in der Tasche, wollte sie hier keiner einstellen. „Mein Abschluss war zwar in Deutschland anerkannt worden, aber in der der Praxis nutzte mir das leider nichts“, sagt sie.

Glavas arbeitete für Vietnam Airlines, dann für Lufthansa, bis sie ihr eigenes kleines Reisebüro eröffnete. „Ich hatte dafür in den Jahren zuvor viel praktisches Wissen gesammelt. Allerdings fühlte ich, dass mir immer noch ein Überblick über meinen Beruf und allgemeines Wissen wie beispielsweise zu Rechnungslegung und Steuern fehlte.“ Sie entschied, ihr Reisebüro wieder zu schließen und eine Weiterbildung zum Tourismusfachwirt zu machen. „Mit diesem Lehrgang konnte ich endlich meine Lücke schließen.“

Wer eine Weiterbildung zum Tourismusfachwirt mit Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer macht, qualifiziert sich damit für das mittlere Management von Touristikunternehmen. Der Lehrgang richtet sich darum etwa an Mitarbeiter in Reisebüros und Hotels, an Reiseleiter und Gästeführer. Also an alle, die eine Erstausbildung im Tourismus mitbringen und dazu noch Berufserfahrung vorweisen können. „Bei uns ist richtig, wer beispielsweise als Hotelfachfrau in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen will, sich um das Qualitätsmanagement und die Personalstandards kümmern und Mitarbeiter führen und motivieren will“, sagt Karin Smettan, Geschäftsführerin vom SSI - Institut für Tourismus und Marketing in Berlin. Seit Gründung 1991 wurden hier bereits mehr als 6000 Fachkräfte ausgebildet.

Die Fortbildung Tourismusfachwirt am SSI dauert 18 Monate. Dazu gehören jeweils zwei Abendtermine unter der Woche und einmal im Monat ein Kurs am Wochenende. Der Inhalt ist in zwei Schwerpunkte aufgeteilt: Zum einen Volks- und Betriebswirtschaft, Recht und Steuern, Informationsmanagement und Kommunikation. Zum anderen liegt der Fokus auf tourismusspezifischem Know-how und Managementfragen. „Der Kurs ist zu einem Drittel Präsenzunterricht, zu einem Drittel Selbststudium und zu einem Drittel das, was man schon an Berufserfahrung mitbringt“, erläutert Smettan.

Neu ist mit dem 1. Juli 2012, dass die Weiterbildung Tourismusfachwirt bundesweit offiziell einem einheitlichen Regelwerk unterliegt. So sei die bisherige Verordnung nur eine Empfehlung der Industrie- und Handelskammern ohne bindenden Charakter gewesen, heißt es vom Deutschen Reiseverband. Mit der neuen Regelung erhielte die Touristikbranche nun endlich eine öffentlich-rechtlich anerkannte Aufstiegsqualifikation.

„Das heißt, die Weiterbildung zum Geprüften Touristikfachwirt ist jetzt einem Bachelor gleichgestellt“, erklärt Sandra Klinder, Schulungskoordinatorin an der SFT Schule für Tourismus Berlin. Damit habe jeder eine größere Entscheidungsfreiheit, ob er nach dem Abitur direkt ein Tourismusstudium starten wolle, oder sich lieber nach einigen Jahren in der Branche für die stärker praxisorientierte und kürzere Ausbildung entscheide. Klinder rät allerdings dazu, in jedem Fall so viel praktische Erfahrung wie möglich zu sammeln. „Die Praxis zeigt, dass in erster Linie erfahrene Leute mit zusätzlichen Qualifikationen gebraucht werden.“

Die Schule für Tourismus Berlin bildet seit mehr als 20 Jahren speziell für die Touristikbranche aus. Wer hier seinen Tourismusfachwirt machen will, kann zwischen einem Vollzeitlehrgang über vier Monate oder einem berufsbegleitenden Kurs über 18 Monate wählen. „Der Vollzeitkurs richtet sich zum Beispiel an Frauen in der Babypause oder zur Überbrückung einer Arbeitslosigkeit“, sagt Klinder. Wer dagegen fest im Berufsalltag stehe, für den biete sich eher die berufsbegleitende Variante an. Dazu findet einmal im Monat an zwei Tagen der Präsenzunterricht statt und die Teilnehmer lernen über eine interaktive Online-Plattform.

Dieter Lübberding hat seinen Tourismusfachwirt bereits vor vielen Jahren absolviert. Heute leitet er den Campingpark „Sanssouci“ am Templiner See in Potsdam, den er selbst aufgebaut hat. Der „königliche“ Zeltplatz lockt Besucher aus aller Welt. Dabei verfolgt Lübberding eine einfache Strategie: „Alles was der Gast sich bei uns wünscht, bekommt er auch.“

Die Weiterbildung zum Tourismusfachwirt hält er gerade deshalb für wichtig für die Branche, da in Zukunft immer mehr gut ausgebildete Leute gebraucht würden. Allerdings: Was man in keinem Kurs lernen könne, sei ein freundlicher Charakter. Und dies sei das wichtigste im Tourismus. „Man muss immer ein Lächeln auf den Lippen haben und die Lust, den Beruf wirklich machen zu wollen.“

Neben der Motivation seien gerade für die Arbeit im Managementbereich Flexibilität und Ideenreichtum gefragt, sagt Sandra Klinder vom SFT. So verlangt auch die neue Prüfungsordnung für den Tourismusfachwirt unter anderem, dass die Prüflinge neue Trends und Entwicklungen des touristischen Marktes erkennen und dementsprechend Marketingkampagnen organisieren können.

„Neue Trends erkennen heißt zum Beispiel zu sehen, wo ich neue Gästegruppen finde und wie ich mich auf diese einstellen kann“, sagt Karin Smettan vom SSI. Dabei sieht sie den Fokus für Berliner Tourismusfachwirte im Gesundheitstourismus. „Berlin will sich hier für die Zukunft noch stärker aufstellen. Deshalb geht es darum, das große medizinische Potential der Stadt mit touristischen Aspekten zu verbinden.“ Wichtiger werde zudem, Marketingkonzepte für ganze Regionen zu entwickeln und diese unter ein bestimmtes Thema zu stellen, um so mehr Besucher anzulocken.

Auch Radmila Glavas beschäftigt sich täglich mit den Trends der Zukunft. Dafür organisiert sie Events für Geschäftsleute aus der Tourismusbranche, um den Austausch und Netzwerke zu fördern.

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