Wirtschaft : Die US-Verbraucher nehmen die Preissteigerungen kaum wahr

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Notenbank ist alarmiert - Anstieg der Ölpreise verantwortlich für die Inflationzz

Die amerikanische Inflationsrate liegt höher, als sich aus den in den USA üblichen Vergleichen gegenüber dem jeweiligen Vormonat ablesen lässt. Zwar hat auch bei amerikanischen Ökonomen und Politikern Erschrecken ausgelöst, dass der Erzeugerpreisindex von Januar auf Februar um ein Prozent und der Verbraucherpreisindex um 0,5 Prozent gestiegen ist. Aber im öffentlichen Bewusstsein hat sich auch eingeprägt, dass sich die Erzeugerpreise im vergangenen Jahr nur um 1,8 Prozent, die Verbraucherpreise um lediglich 2,2 Prozent erhöht haben.

Alles graue Vergangenheit. Auch wenn jeder Amerikaner, der sein Auto regelmäßig an die Tankstelle fährt, den rasanten Preisanstieg von Benzin kennt, hat sich bei der Bevölkerung noch nicht herumgesprochen, wie dramatisch sich die Öl-Teuerung auf die beiden Preisindices im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat auswirkt: Die Erzeugerpreise sind innerhalb eines Jahres um vier Prozent gestiegen, die Verbraucherpreise haben sich um 3,1 Prozent erhöht. Bei drei Prozent klingeln normalerweise die Alarmglocken.

Die frühzeitigen Warnungen von Notenbankchef Alan Greenspan vor einer sich beschleunigenden Inflation waren gerechtfertigt. Die gegenwärtige Ölknappheit und die Verteuerung von Öl sind zwar von der Opec ausgelöst worden. Für den Geldbeutel des amerikanischen Verbrauchers und für die Kosten der Industrie ist aber nichts gewonnen, wenn nur der sogenannte Kern-Index der Inflation betrachtet wird, also die Preissteigerungen unter Ausklammerung von Nahrungsmitteln und Energie. Im Gegenteil: Eine ausschließliche Betrachtung der "Core Inflation" würde sogar ein falsches Bild vermitteln. Einer solchen beschönigenden Betrachtungsweise gibt sich der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank schon lange nicht mehr hin. Bereits seit dem 30. Juni 1999 fährt er einen restriktiveren Kurs: Die Zinsen wurden sanft, jeweils nur in Schritten von 0,25 Prozent, aber nahezu kontinuierlich angehoben. Die Fed bleibt also der Stabilität verpflichtet. Denn auch außerhalb der Preisindices zeigt die amerikanische Wirtschaft ihre gewohnte Dynamik. Zwar ist die Industrieproduktion im Februar nicht mehr so kräftig gewachsen wie noch im ersten Monat dieses Jahres. Aber der Boom am Immobilienmarkt setzt sich, wie man an der Zahl der neu begonnenen Hausbauten sieht, fort, obwohl sich die Hausfinanzierungen in den vergangenen eineinhalb Jahren kräftig verteuert haben.

Die leichte Zunahme der Arbeitslosenziffern und der Beschäftigungslosenrate im Februar dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der amerikanische Arbeitsmarkt weiterhin sehr angespannt ist. Die durchschnittliche Arbeitslosenrate des Jahres 1999 war mit 4,2 Prozent die niedrigste seit drei Jahrzehnten.

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