Wirtschaft : „Die Varroa macht zu schaffen“ Ein Zoologe über das Bienensterben

Foto: privat
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Alle reden vom Bienensterben. Was bedroht denn die Bienen am meisten?



Bienen haben vor allem unter Krankheiten und Parasiten zu leiden. Die Varroa-Milbe, die aus Asien stammt, macht der westlichen Honigbiene seit vielen Jahren am meisten zu schaffen. Hat sie ein Volk befallen, kann es passieren, dass dieses nicht über den Winter kommt. Da gibt es schon Jahre, in denen ein Fünftel der Bienenvölker stirbt. Aber gut 80 Prozent der Imker in Deutschland sind fit im Umgang mit der Milbe.

Und welchen Einfluss haben Pestizide auf ein Bienenvolk?

Keinen großen: Zwar sind Pflanzenschutzmittel eine Gefahr, aber nur dann, wenn sie von Bauern nicht sachgemäß angewendet werden. Durch die Gifte kann ein Volk geschwächt werden. Jedoch kennen sich die deutschen Bauern gut aus. Das sind vielleicht zwei Prozent, die Insektizide nicht richtig anwenden. Viel schlimmer sind da die Monokulturen in der Landwirtschaft – die sorgen für eine aufgeräumte Natur, die es der Biene schwer macht, Nahrung und Unterschlupf zu finden. Aber insgesamt geht von der Varroa-Milbe schon die tatsächlich größte Gefahr aus.

Was müsste demnach geschehen, damit die heimische Biene die Varroa-Milbe loswird? Sollen die Imker warten, bis ihre Bienen von allein resistent werden?

Das wäre eine Idee – man setzt auf natürliche Selektion und gibt der westlichen Honigbiene Zeit, sich an den Erreger aus Fernost zu gewöhnen. Allerdings würde das mehrere Jahrzehnte dauern und zum Verlust vieler Völker führen. Kein Imker macht da mit. Neben der Honigproduktion ist auch die Bestäubungsleistung der Bienen wirtschaftlich viel zu wertvoll. Bis zu 90 Prozent der Weltmarktproduktion vieler Obstsorten und Früchte hängt von der Honigbiene ab. Wir können also gar nicht auf die Biene verzichten.

Und daher auch nicht auf den Imker:

Wie steht es um den Nachwuchs?

Wir haben gerade einen Generationswechsel, viele junge Imker rücken nach. Die Vereine vermelden schon wieder Zuwächse, auch das Durchschnittsalter sinkt. Sehr beliebt ist auch Hobbyimkern, gerade in den Städten. Dort siedeln Imker ihre Völker zum Beispiel auf Dächern an. Ich kenne auch Geschichten von Imkern, die ihre Bienenstöcke auch schon mal mit dem Auto bis nach Spanien fahren, nur um dort während der Lavendelblüte ihre Bienen abernten zu lassen.

Das hört sich nach einem positiven Ausblick an.

Ja, ich bin da sehr hoffnungsvoll. An ein endgültiges Bienensterben glaube ich daher nicht: Bienen wird es immer geben.

Hans-Hinrich Kaatz

ist Professor der Molekularökologie. Er beteiligt sich am Monitoringprojekt über das Bienensterben.

Das Gespräch führte Marc Röhlig.

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