Wirtschaft : Die verborgene Kraft

Die leistungsfähigsten Mittelständler orientieren sich international / In Deutschland gibt es mehr als 500 „Hidden Champions“

Moritz Döbler,Daniel Rhee-Piening

Berlin – Die Kapitalismus-Debatte ruft Fürsprecher des deutschen Mittelstands auf den Plan. Dabei geht es auch in den kleinen und mittleren Unternehmen längst nicht mehr beschaulich zu. „Hidden Champions“ – die versteckten Meister – werden die leistungsfähigsten von ihnen inzwischen genannt. Sie schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze (siehe Kasten). Am Montag widmet sich eine Tagung in Berlin dem Thema, auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nimmt teil.

Die Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners in Bonn beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit den „Hidden Champions“ und schätzt, dass es über 500 von ihnen in Deutschland gibt. „Man kennt sie oft nicht, aber sie stehen an Platz 1, 2 oder 3 in ihrem Marktsegment und haben einen Marktanteil von 50 bis 60 Prozent,“ sagt Partner Bernhard Ebel. „In der Regel sind sie in ihrem Geschäft sehr fokussiert. Und sie sind international aufgestellt.“ Innovativ seien sie und häufig auch Familienbetriebe. Eine spezielle Forderung an die Politik gebe es von ihnen nicht – nur, dass der Standort Deutschland attraktiv bleiben müsse.

Hier sieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vor allem bei der Erbschaftssteuer Aktionsbedarf, weil sie als Belastung für Familienbetriebe gesehen wird. „Wir haben uns deshalb noch einmal eindringlich an den Kanzler gewandt,“ sagt DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun. Eine große Belastung für die Kleinen sei aber auch „die überbordende Bürokratie“, etwa im Steuerbereich und auf dem Arbeitsmarkt.

Wer nicht zu den international ausgerichteten „Hidden Champions“ gehört, hat allerdings mit der schwachen Nachfrage im Inland zu kämpfen. „Der anziehende Export nützt den kleinen Unternehmen mit ihren regionalen Märkten wenig“, sagt Gunter Kayser, Geschäftsführer des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn.

Und noch etwas bedrücke seine Klientel, sagt Kayser: „Wenn Großunternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagern, muss der Zulieferer mit, sonst suchen die sich vor Ort einen Neuen.“

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