Wirtschaft : Die Verbraucher geben die Hoffnung auf

Das Konsumklima ist so schlecht wie seit sechs Jahren nicht / Autobauer erhoffen Absatz auf Vorjahresniveau

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Berlin / Frankfurt (Main) (rtr/ro). Die deutschen Verbraucher werden angesichts hoher Arbeitslosigkeit und steigender Abgaben in diesem Jahr kaum die Wirtschaft ankurbeln. Die schlechte Stimmung lässt vorerst keine Rückkehr der Konsumfreude erwarten und trübt die Aussichten für Branchen wie den Einzelhandel und die Automobilindustrie ein. „Da der Konsum mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, ist das Stimmungstief bei den Konsumenten Anlass zur Sorge“, sagte der designierte Wirtschaftsweise Wolfgang Franz. Auch die jüngste Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) belegt die schlechte Stimmung. Im Januar hätten sich die Befragten so pessimistisch über die Wirtschaftsaussichten geäußert wie seit sechs Jahren nicht mehr, teilte die GfK mit.

Der GfKKonsumklima-Indikator für Februar fiel auf 4,1 Punkte nach 4,4 Punkten für Januar. „Die Entwicklung der Verbraucherstimmung spricht im Moment eher dafür, dass sich das Konsumklima weiter schwach entwickeln wird“, sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. Bereits 2002 hatten die Deutschen real 0,5 Prozent weniger konsumiert. Für den Einzelhandel blieb die Wende zum Besseren auch im Weihnachtsgeschäft aus. Die Verbraucher gaben im Dezember einer Umfrage des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) zufolge knapp sechs Prozent weniger in den Geschäften aus als im Vorjahr. Für das Gesamtjahr 2002 bezifferte der HDE den Umsatzrückgang im Einzelhandel 2002 auf 3,5 Prozent und rechnet in diesem Jahr mit einem weiteren Minus von 1,5 Prozent.

Angesichts der Konsumflaute sieht Jörg Krämer von Invesco Asset Management die Einzelhändler vor einem weiteren schweren Jahr. Spielraum für Preissenkungen hätten die Händler kaum noch. „Der Handel muss eher dafür sorgen, dass Einkaufen in Deutschland wieder Spaß macht – etwa durch besseren Service und längere Ladenöffnungszeiten“, sagte Krämer.

Verhalten beurteilt auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) die Aussichten für das laufende Jahr. Belastend wirkten vor allem die Pläne der Bundesregierung zur Erhöhung der Dienstwagensteuer und ein möglicher Irak-Krieg. Sorge bereitet VDA-Präsident Bernd Gottschalk auch der vergleichsweise niedrige Auftragsbestand. Derzeit gebe es gerademal einen Puffer von einem Monat. „Wir leben von der Hand in den Mund“, sagte Gottschalk. Trotzdem erwartet er bei „grundsätzlich positiven Grunddaten“ in Deutschland wieder einen Pkw-Absatz von 3,25 Millionen Einheiten. Insgesamt wollen die deutschen Hersteller 2003 zum sechsten Mal hintereinander mehr als fünf Millionen Autos bauen. 2003 gebe es allein 73 neue Modelle deutscher Hersteller.

Einen Rückschlag haben die Maschinenbauer erlitten. Die Bestellungen der ausländischen Kundschaft brachen im Dezember 2002 binnen Jahresfrist um 19 Prozent ein. Im Inland liefen die Geschäfte dagegen nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau besser als erwartet. Hier gab es sieben Prozent mehr Aufträge.

Schwaches Quartal in den USA

Auch in den USA kommt die Wirtschaft nicht in Schwung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA stieg nach einer ersten Schätzung des Handelsministeriums nur um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Als Gründe für das schwache Wachstum gelten die geringe Konsumbereitschaft die von Kriegs- und Arbeitsplatzsorgen bedrückten Verbraucher. Für das laufende Quartal rechnen Volkswirte angesichts der niedrigen Lagerbestände wieder mit einem kräftigeren BIP-Anstieg. Als Risikofaktor sehen sie einen Krieg im Irak, der die Stimmung weiter belasten könnte.

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