Wirtschaft : Die Videothek stirbt aus Angebote im Internet und Online-Fernsehen

rauben dem Verleihgewerbe Existenzgrundlage

Caroline Biehl (AFP)

Berlin - Die Videotheken scheinen vom Aussterben bedroht. Wer sich einen neuen Film anschauen will, geht zunehmend häufiger ins Internet statt in den Laden. Gerade hat deshalb der Videoverleih-Riese „Blockbuster“ in den USA Konkurs angemeldet. Aber auch in Deutschland ist die Zahl der Videotheken in den vergangenen Jahren zunehmend gesunken. Ein Ende der Schrumpfkur ist nicht absehbar.

„Durch das illegale Angebot im Internet gehen die Videotheken den Bach runter“, klagt der Geschäftsführer des Bundesverbands Home-Entertainment, Rainer Ordegel. Vor allem die illegale Onlinekonkurrenz im Erotikbereich mache den Videoverleihern zu schaffen. Über Jahrzehnte habe das Geschäft mit Erotikstreifen den Spielfilmbereich mitfinanziert. „Diese feste Größe ist nun weggebrochen“, sagt Ordegel und spricht von Umsatz-Einbußen von bis zu 40 Prozent in einzelnen Läden.

Laut Bundesverband audiovisuelle Medien (BVV Medien) ist der Umsatz mit dem Verleihgeschäft in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt um knapp ein Fünftel zurückgegangen: auf 269 Millionen Euro im Jahr 2009. Damit einher ging auch ein Videotheken-Sterben. 2005 gab es noch über 4200 Verleiher bundesweit. Bis 2009 schrumpfte ihre Zahl um rund ein Drittel auf gut 3000. Ordegel prophezeit bereits das Aussterben der konventionellen Videoverleiher in den kommenden Jahren. Zumindest „die kleinen Videotheken auf dem Land“ seien in fünf Jahren verschwunden.

Ganz so schwarz sieht der Vorstandsvorsitzende des Interessenverbands des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD), Hans-Peter Lackoff, die Zukunft nicht. „Es gibt ja Menschen, die das Illegale ablehnen“, sagt er. „Und dann gibt es welche, die eine Beratung wollen, und es gibt solche, die den Film gerne in die Hand nehmen und das Cover anschauen.“ Diese Menschen würden auch weiterhin in die Videothek kommen. Von einem weiteren Rückgang der Videotheken-Dichte unter dem Druck illegaler Konkurrenten geht aber auch Lackoff aus. „Wenn Filme gleichzeitig kostenlos im Internet angeboten werden, bekommen das alle zu spüren“, sagt er.

Keine Zukunftssorgen machen sich derweil Onlinedienste, die Filme kostenpflichtig zum Download im Internet anbieten. Laut BVV Medien legte das Onlinegeschäft mit Kauf- und Verleihvideos im ersten Halbjahr 2010 kräftig zu. Mit einem Gesamtumsatz von 20,7 Millionen Euro konnte es sein Ergebnis des Vorjahreszeitraums mehr als verdreifachen.

Vertreiber wie „Maxdome“ oder „Videoload“ verleihen beispielsweise Videos via Download im Internet. Je nachdem, wie neu der Film ist, beginnen die Verleihgebühren bei einer Summe zwischen einem und vier Euro. Bei einem neuen Film liegen damit die Preise knapp über denen, die eine gewöhnliche Videothek verlangt.

Statt auf klassische Videofilme baut das 2006 gegründete Unternehmen „Sevenload“ auf das internetfähige und senderunabhängige Fernsehen, IPTV genannt. Laut Geschäftsführer Axel Schmiegelow bieten die Kölner mittlerweile „eines der weltweit größten, senderunabhängigen IPTV-Angebote“ und sehen sich damit für die Zukunft bestens gerüstet. Die Videotheken-Branche wird sie darum beneiden. Caroline Biehl (AFP)

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