Wirtschaft : Die Wahl bringt Verbraucher in Stimmung

GfK-Konsumklimaindex auf Vierjahreshoch / Union spricht von „Merkel-Faktor“ / Große Unterschiede zwischen Ost und West

Anselm Waldermann

Berlin - Die Kauflaune der Verbraucher in Deutschland ist so gut wie seit vier Jahren nicht mehr. Dies geht aus dem aktuellen Konsumklimaindex hervor, den die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Montag vorstellte. Der Index kletterte für September auf 3,4 Punkte. Für August hatte er noch bei 3,2 Punkten gelegen. „Die Stimmung hat sich deutlich gebessert“, sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst dem Tagesspiegel. Allerdings zeigte sich in Ost- und Westdeutschland ein äußerst unterschiedliches Bild: Während sich die Kaufneigung der Deutschen in den alten Bundesländern besonders positiv entwickelte, ist sie in den neuen Ländern weit dahinter zurückgeblieben.

Der Konsum ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren für die Gesamtwirtschaft in Deutschland. In den vergangenen Jahren war er jedoch sehr niedrig gewesen, entsprechend schwach war die Binnennachfrage. Dies könnte sich nach Ansicht der GfK nun langsam ändern. Denn neben dem Konsumklima haben sich auch die Erwartungen an das eigene Einkommen, die Anschaffungsneigung und das Vertrauen in einen wirtschaftlichen Aufschwung positiv entwickelt.

Wübbenhorst macht dafür die gestiegenen Unternehmensgewinne und die im Jahresverlauf gesunkene Arbeitslosigkeit verantwortlich. Auch die bevorstehende Bundestagswahl spiele eine Rolle: „Die Menschen haben das Gefühl, dass nach der Wahl die Phase der Agonie vorbei ist“, sagte er dieser Zeitung. Auch die von CDU/CSU angekündigte Mehrwertsteuererhöhung könne dieses Bild nicht trüben: „Die Bürger schätzen Ehrlichkeit sehr, Unsicherheit hingegen mögen sie gar nicht“, sagte Wübbenhorst.

Positiv überrascht zeigte sich auch der Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank Jörg Krämer: „Der übertriebene Pessimismus der vergangenen Monate ist vorbei“, sagte er dem Tagesspiegel. Er rechne damit, dass der private Verbrauch im zweiten Halbjahr nun für eine Belebung der Gesamtwirtschaft sorgen werde. „Von einer Trendwende zu sprechen, wäre zwar noch zu früh“, sagte Krämer. „Aber es ist schon beachtlich, wie robust die Stimmung der Konsumenten ist – und das trotz des hohen Ölpreises.“

Ob sich die gute Stimmung aber tatsächlich in mehr Konsum niederschlägt, ist nicht sicher: „Die Verbraucher sind noch immer verunsichert“, sagte der Geschäftsführer des Hauptverbands des deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr. „Von der höheren Anschaffungsneigung ist in den Kassen des Einzelhandels noch nichts angekommen.“

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) begrüßte hingegen die Entwicklung: „Es ist offensichtlich so, dass der Aufschwung nun auch die Verbraucher erreicht.“ Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union, Ronald Pofalla, wiederum machte einen „Merkel-Faktor“ für den Anstieg des Konsumindex verantwortlich.

Nach wie vor bestehen beim privaten Verbrauch allerdings große Unterschiede zwischen Ost und West. So lag der Wert für die Einkommenserwartung in den alten Bundesländern bei minus 6,6 Punkten, in den neuen Ländern waren es minus 26,8 Punkte. Daneben hängt die Kauflaune entscheidend vom Alter und der persönlichen Lebenssituation ab. Während Studenten, Auszubildende und wirtschaftlich besser Gestellte sich in der GfK-Umfrage eher positiv äußerten, herrschte bei Rentnern und Menschen in einfacher Lebenslage eine ausgesprochen pessimistische Stimmung. „Die Situation und das Verhalten der Konsumenten differenzieren sich immer mehr aus“, sagte GfK-Chef Wübbenhorst.

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