Wirtschaft : Die Waldhüter

Ort der Stille, Lebensraum, Holzlieferant, Jobmotor: 2011 ist das Jahr des Waldes

von
Die Elsbeere, auch schöne Else genannt, ist der Baum des Jahres. Foto: dpa/pa
Die Elsbeere, auch schöne Else genannt, ist der Baum des Jahres. Foto: dpa/paFoto: picture alliance / dpa

Berlin – Zum Wald haben die Deutschen seit jeher eine besondere Verbindung. „Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn“, reimte einst Johann Wolfgang von Goethe. Marco Reus, Jungprofi bei Borussia Mönchengladbach, bringt die Dinge schnörkelloser auf den Punkt: „Die Welt ohne Wald ist wie Fußball ohne Ball.“ Bundesverbraucherministerin Ilse Aig-

ner, selbst Besitzerin einer kleinen Waldparzelle in Bayern, schwärmt von der Kühle des Waldes, die den Gipfelanstieg erleichtert, und Bundespräsident Christian Wulff berichtet von dem „Erschrecken“, das ihn beschleicht, wenn ein Baum gefällt wird. „Wenige Minuten reichen, um Bäume zu fällen, die Jahrhunderte lang gewachsen sind.“

Die Wälder der Welt sind ein ungeheurer Schatz, sagte Wulff in Berlin. Er ist Schirmherr des von den Vereinten Nationen ausgerufenen Internationalen Jahres der Wälder. Am Montag gab der Bundespräsident den offiziellen Startschuss für die Feierlichkeiten. Rund 5000 Veranstaltungen sind in Deutschland geplant, von Waldspaziergängen über Konzerte bis hin zu Plakataktionen, die den Bürgern vor Augen führen sollen, wie wertvoll der Wald ist – als Klimaschützer, Energielieferant, Arbeitgeber und Erholungsgebiet. Der Wald bietet tausenden Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Er bügelt die Klimasünden der Menschen aus, indem er Kohlendioxid speichert. Rund 80 Prozent der Wärme, die aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, stammt aus Holz. Der Wald filtert und speichert Regenwasser. Und er schafft Jobs. Rund 1,2 Millionen Menschen sind in der Forst- und Holzwirtschaft beschäftigt, berichtet Ministerin Aigner. Zu Minilöhnen, wie die IG Bau verärgert ergänzt. Die Gewerkschaft kämpft seit langem für Mindestlöhne in der Forstwirtschaft.

„Die Ansprüche an den Wald steigen“, gibt Aigner zu bedenken. Sie will eine „Balance“ finden zwischen den Ansprüchen, die an den Wald gestellt werden, und dem Schutz der „nachhaltigen Leistungsfähigkeit“. In Deutschland, das zu rund einem Drittel aus Wald besteht, sei das gelungen. Probleme gäbe es dagegen nach wie vor durch das illegale Abholzen der Urwälder in Südamerika und Asien.

Jedes Jahr verschwinden weltweit rund 13 Millionen Hektar Wald. Das entspricht in etwa einem Drittel der Gesamtfläche Deutschlands. Tropenbäume werden illegal geschlagen und verkauft, oder sie müssen Feldern oder Ölpalmenplantagen weichen. Das Problem wird sich mit steigender Bevölkerungszahl noch verschärfen, fürchtet Klaus Töpfer, der sich jahrelang für die Vereinten Nationen um Umweltschutz gekümmert hat. Was passiert, wenn Wälder abgeholzt werden, hat er auf einer Reise nach Nordkorea erlebt: „Dort wo Wälder sterben, stirbt die Freude.“ Heike Jahberg

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben