Wirtschaft : Die Wall Street zeigt sich von den Gewinnen beeindruckt - Technologie- und Banken-Aktien im Höhenflug

hus/nks/siri

Die Saison der Gewinnmeldungen der US-Unternehmen ist voll im Gange. Den Auftakt im Reigen der Quartalsergebnisse machten traditionell High-Tech Werte, Banken und Fluggesellschaften. Bislang konnten die Unternehmen die Erwartungen an der Wall Street übertreffen. Auch zukünftig rechnen die Analysten daher mit steigenden Kursen. Sorgen machen der Wall Street einzig die möglicherweise steigenden Zinsen. Das würde die Finanzierung der Unternehmen verteuern und damit für nachlassendes Gewinnwachstum sorgen. Doch soweit dominiert bei den Beobachtern der Hochtechnologiebranche Optimismus.

So konnte der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres die Erwartungen der Analysten übertreffen. Das Unternehmen steigerte den Gewinn um 22 Prozent, beim Umsatz legte es 18 Prozent zu. Trotz der Warnungen, dass der Software-Riese in die nächsten beiden Quartalen mit schwächeren Wachstumsraten rechnet, bewerten Analysten die Aussichten für Microsoft positiv. Zurückhaltender äusserte sich indes Rick Sherlund, Analyst beim Investmenthaus Goldman Sachs. Er erwartet ein Umsatzwachstum von 30 Prozent im kommenden Quartal. Damit liegt er aber immer noch über den Voraussagen von Microsoft-Finanzchef John Connors, der einen Zuwachs von 25 Prozent prognostiziert. "Vor uns liegt eine Zeit des langsameren Wachstums", meint Connors.

Auch beim Chipproduzenten Intel sind die Analysten nach guten Ergebnissen optimistisch: Intel hatte im vierten Quartal einen Profit von 2,4 Milliarden Dollar erzielt. Daraufhin hoben eine Reihe von Investmentbanken wie Merrill Lynch und Credit Suisse First Boston ihre Gewinnerwartungen an. Ein weiterer Liebling der Analysten ist Broadcom, ein Chiphersteller für Kommunikationsgeräte. Die Bank of America bekräftigte die nachdrückliche Kaufempfehlung für den Wert. Positive Erwartungen auch für Motorola: Nachdem der Hersteller von Kommunikationsausrüstung und Halbleiter den Gewinn im dritten Quartal verdoppelt hatte, setzten eine ganze Reihe von Analysten ihre Erwartungen nach oben. Kenneth Leon von der Bank ABN Amro: "Wir sind von der hohen Nachfrage nach Handys, Kleincomputern und Chips beeindruckt."

Auch in der Finanzbranche, bei Geschäftsbanken und Wertpapierhäusern dominierten dank des Booms im Aktienmarkt positive Ergebnisse. Trotz des Risikos steigender Zinsen, auf die Finanztitel besonders sensibel reagieren, stehen einige Banken weiter auf der Kaufliste. Ein klarer Kaufkandidat ist Marktführer Citigroup Inc., dessen Quartalsgewinn mit 75 Cents pro Aktie deutlich über den Erwartungen der Wall Street von 70 Cents gelegen hatte. Analyst Judah Kraushaar von Merrill Lynch bezeichnete das Finanzinstitut als "Gewinnmaschine". Einzig in einigen Versicherungsbereichen sei das Wachstum schleppend. Sowohl Kraushaar als auch Analyst Richard Strauss von Goldman Sachs rechnen im kommenden Jahr mit einigen weiteren Akquisitionen der Citigroup, um weltweit die Geschäftsbereiche zu ergänzen. Strauss prognostiziert für 2000 ein Gewinnwachstum um 18 Prozent.

Die Ergebnisse der Fluggesellschaften litten unter den hohen Preisen für Flugbenzin. Analysten hatten allerdings mit noch schwächeren Resultaten gerechnet. "Die Entwicklung der Flugbenzinpreise dominiert die Stimmung der Anleger", sagt die Analystin der Investmentbank Deutsche Banc Alex. Brown, Susan Donofrio. Sobald Benzin aber wieder billiger werde, dürften die Aktienkurse der Fluggesellschaften sich rasch nach oben bewegen.

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