Wirtschaft : Die Welt ohne Bargeld ist noch Vision

TIM KÖHLER

Chipkarten-Kongreß in Berlin / Aufladbare Geldkarte für jedermannVON TIM KÖHLER

BERLIN."Der Markt für Chipkarten wächst schnell, bis zum Jahre 2003 wird er einen Umfang von weltweit fünf Mrd.US-Dollar ausmachen, das entspricht jährlichen Wachstumsraten von 26,5 Prozent", erklärte Lutz Martiny auf der gestern eröffneten dreitätigen internationalen Chipkartenkonferenz "Omnicard" in Berlin.Und der Markt ist sehr innovativ: Zwischen den Jahren 1990 und 1997 gab es 472 Patentanmeldungen alleine aus Deutschland im Zusammenhang mit der Chipkarte."In diesem Bereich ist Deutschland führend", so der Ingenieur und Unternehmensberater Martiny. Laut inTime Berlin, dem Veranstalter der Fachkonferenz, werde die Chipkarte eine Schlüsselfunktion in der kommenden Dienstleistungsgesellschaft einnehmen.Das bargeldlose Einkaufen mit einer aufladbaren Geldkarte habe gleich mehrere Vorteile: Es ist fälschungssicher und mit weniger Risiken - wie Diebstahl oder Zerstörung - verbunden.Ein Problem steht im Mittelpunkt der Konferenz: Wenn ein Abbuchungsgerät einen höheren Betrag von der Karte abzieht als der Preise der Ware beträgt, ist das für den Kunden nicht nachvollziehbar.Dafür haben die Experten aber eine Lösung: Das "Zahlfunktionspaar" Zahlkarte und Taschen-Handy.Die Karte wird in den Terminal geschoben, der zeigt den Preis an.Dann wird die Karte in das Taschen-Handy geschoben, der den angezeigten Preis überprüft, und schließlich wird die Karte wieder in den Terminal geschoben.Dann erst wird das Geld abgezogen.Wer beides verliert, ist allerdings arm dran: "Das ist logischerweise dasselbe wie der Verlust von Bargeld", so Martiny. In diesem Jahr will die Kreditwirtschaft nach eigenen Angaben rund 55 Mill.EC-Karten mit Chip ausstatten, die an speziellen Ladegeräten bei den Banken mit maximal 400 DM aufgeladen werden können.Ende 1997 waren bundesweit etwa 10 000 solche Ladegeräte für über 30 Mill.umlaufende Geldkarten installiert.Noch immer zahlen die Deutschen allerdings lieber in bar.Über 75 Prozent der Zahlungsvorgänge im Einzelhandel werden mit Münzen und Scheinen beglichen, mit Kredit- oder EC-Karten dagegen nur 10 Prozent, ermittelte das Euro-Handelsinstitut in Köln.Beim Lebensmittelhandel werden sogar 9 von 10 Einkäufen bar bezahlt. Der Handel ist über diese Zahlen nicht unglücklich, denn bei jeder Kreditkartenzahlung zieht die jeweilige Gesellschaft dem Kunden einen gewissen Betrag als Gebühr ab.In spätestens drei Jahren werde aber jederman eine Geldkarte bis zu 400 DM besitzen und für die Begleichung von Kleinbeträgen nutzen, ist Matthias Flur von inTime Berlin überzeugt."Die neue Welt der Karten" - so der Titel der Konferenz - sei dann Realität.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben