Wirtschaft : Die Weltbank bleibt auf ihrem Posten - Kredite fördern Privatinvestitionen

Martina Ohm

Die Turbulenzen um den IWF haben die Arbeit der Weltbank zuletzt in den Schatten gestellt. Auch zur Frühjahrstagung findet die Bank weniger die ungeteilte Aufmerksamkeit der Fachwelt als die der Demonstranten in den Straßen. Das mag daran liegen, dass das Haus von Gerüchten um mögliche Veränderungen an der Spitze momentan verschont bleibt. Lange hatte die US-Regierung mit der Nominierung für eine zweite Amtszeit gezögert. Doch Ende September wurde der 65jährige James D. Wolfensohn als Präsident der Weltbank bestätigt. Anfang Juli beginnt seine zweite fünfjährige Amtszeit.

Darüber, wie erfolgreich seine Arbeit ist, gehen die Meinungen auseinander. Unumstritten ist, dass die Bank unter dem Ex-Investmentbanker Wolfensohn in einem wünschenswerten Sinne dezentralisiert wurde. Beobachter aber verweisen auf die Gefahr, dass sich Wolfensohn womöglich zuviel vornehme. Eine stärkere Konzentration und Selektion auf die Kernaufgaben - wie die Bekämpfung der Armut - wird allseits für sinnvoll erachtet.

Auch der viel beachtete Report von Allan Meltzer, der im Auftrag des US-Kongress unlängst seine Reformvorschläge für IWF und Weltbank vorlegte, fordert das. Allerdings gehen die Vorstellungen der Meltzer-Kommission der Weltbankspitze zu weit. Ein Rückzug aus allen Schwellen- und Mitteleinkommensländer ist der Bank zu radikal. Denn dann, das ist auch die Überzeugung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit, würde der Anspruch, eine global tätige Organisation mit weltweiten Beratungskapazitäten zu sein, nicht länger erfüllt. "Die aktuellen Vorschläge, die Kompetenzen der Weltbank drastisch zu beschneiden, dürfen keinesfalls Wirklichkeit werden", sagt Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die deutsche Position im Entwicklungsausschuss der Weltbank in Washington vertritt. Einer Beschränkung des Arbeitsgebietes auf Afrika, einige Länder im Mittleren Osten, Europa und der ehemaligen Sowjetunion würde das Weltbank-Management auf alle Fälle nicht zustimmen. Auch die Amerikaner finden, dass in Ländern wie China oder Brasilien noch immer so viele Arme gebe, für die die Privatwirtschaft nichts tue. Erst unlängst forderte US-Finanzminister Larry Summers, dass die Weltbank sich noch stärker als bisher auf Armutsüberwindung, grenzüberschreitende Probleme wie die Bekämpfung von Aids und Malaria und die Erhaltung der Umwelt konzentrieren soll. Allerdings wollen die Amerikaner wie die Meltzer-Kommission, dass sich die Weltbank aus allen Bereichen, in denen die Privatwirtschaft die Finanzierungsrolle übernehmen kann, zurückzieht, was bei der Weltbank und dem Bundesentwicklungsministerium auf Ablehnung stößt. Denn dann würde die Weltbank ihre Mittlerfunktion bei der Beschaffung günstiger Kredite auf den Kapitalmärkten verlieren. Das wäre fahrlässig. Vor allem aber muss sich Weltbank gegen den Vorwurf wehren, ihre Kredite würden das Privatkapital verdrängen. "In Ländern, die eine vernünftige Reformpolitik betreiben, kommt erst durch Weltbank-Investitionen weiteres Kapital ins Land," erklärt Wolfensohn. Neun von zehn Dollars, die man ausgebe, erzielten im Schnitt eine Rendite von 22 Prozent. Immerhin. Vor allem aber überzeugt sein Hinweis auf die nötige Infrastruktur: "Private Anleger stecken ihr Geld nicht in den Aufbau von Krankenhäusern und Schulen". Das aber bleibt eine Voraussetzung im Kampf gegen die Armut, dem sich die Weltbank verschrieben hat.

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