Wirtschaft : Die WestLB feuert ihr schönstes Gesicht

Londons bekannteste Bankerin Robin Saunders verantwortet einen Milliardenverlust – und muss jetzt gehen

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Berlin (fo). Die Westdeutsche Landesbank (WestLB) trennt sich nun doch von ihrer Starbankerin in London, Robin Saunders. Saunders hatte riskante Geschäfte unter anderem beim britischen TVVerleiher Boxclever eingefädelt und der fünftgrößten deutschen Bank damit im vergangenen Jahr einen Milliarden-Verlust beschert. Das finanzielle Desaster wurde im Frühjahr bekannt. Der Fall hat weit reichende Konsequenzen: Das Topmanagement der WestLB wurde fast komplett ausgetauscht. Trotzdem hielt die Düsseldorfer Landesbank lange an Saunders fest – bis jetzt. Dass der künftige WestLB-Chef Thomas Fischer bei der Trennung von Saunders bereits eine Rolle gespielt hat, gilt in Bankenkreisen als sicher.

Die 41-Jährige war 1998 von der Deutschen Bank zur WestLB gekommen und hatte in einem spektakulären Coup gleich eine 30-köpfige Spitzenmannschaft mitgebracht. Die blonde Frau erregte auch in der Londoner Gesellschaft Aufsehen. Vor allem aber: Ihr Ruhm färbte auf die WestLB ab. Deutsche Landesbanken gelten am Finanzplatz London eher als langweilig und provinziell. Die Medien stilisierten Saunders zur „Antwort der City auf Claudia Schiffer“ hoch. Die Amerikanerin war eigentlich Tänzerin bevor sie ins Finanzgeschäft einstieg. Als Investmentbankerin bewies sie ein gutes Händchen für interessante Geldgeschäfte – anfangs auch zum Vorteil für ihren Arbeitgeber aus Deutschland. Sie verhalf Formel-1-Chef Bernie Ecclestone mit einer Finanzspritze von 1,4 Milliarden Dollar aus der Klemme und organisierte die Beteiligung der Düsseldorfer Landesbank am prestigeträchtigen Neubau des Londoner Wembley-Stadions.

Selbst die eher konservativen Gesellschafter der WestLB, die Landschaftsverbände und Sparkassenorganisationen aus Westfalen und dem Rheinland, konnten der Bankerin nichts anhaben, solange sie erfolgreich war. So mischte die Düsseldorfer Bank im internationalen Investmentbanking im großen Stil mit, obwohl die Eigentümer eher das bodenständige Kreditgeschäft mit den mittelständischen Firmenkunden im Rheinland oder in Westfalen pflegen wollten.

Lange Zeit galt: Was Saunders anfasst, wird zu Gold. Die Erfolgssträhne endete vorerst mit dem Boxclever-Deal. Das vermeintliche Millionengeschäft mit dem Fernsehverleiher entpuppte sich als Geldgrab und rief die deutsche Finanzaufsicht auf den Plan. Nach deren kritischem Bericht über die Risikokontrolle bei der Landesbank musste WestLB-Chef Jürgen Sengera gehen. Das Boxclever-Geschäft war mit dafür verantwortlich, dass der Verlust der Bank 2002 auf 1,7 Milliarden Euro schnellte. Inzwischen ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft. Weitere Altlasten muss die Bank noch im laufenden Geschäftsjahr bereinigen. Auch 2003 wird deshalb ein hoher Verlust erwartet.

Robin Saunders muss das alles nicht mehr kümmern. Ihr Vertrag soll unbestätigten Informationen zufolge zum Jahresende aufgelöst werden. Da sie jahrelang zu den bestbezahlten britischen Angestellten zählte, dürfte selbst der ausbleibende „goldene Handschlag“ kaum schmerzen. Zumal die einstige Starbankerin in den letzten Monaten nach und nach kaltgestellt wurde. Bestehende Finanzierungsverträge durfte sie für die WestLB noch verwalten, heißt es in London, neue aber nicht mehr abschließen. Über ihre Zukunftspläne ist noch nichts bekannt.

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