DIE WICHTIGSTEN KÖPFE : „Ab und zu zwischen die Hörner“

Eigentlich ist Martin Winterkorn der wichtigste Mann. Auf dem Papier. Er ist der Vorstandsvorsitzende von VW, dem Weltkonzern mit einem halben Dutzend Marken. Volkswagen ist eines der wichtigsten und Unternehmen Deutschlands, für das in aller Welt 324 000 Menschen arbeiten. Aber Winterkorn ist VW-Chef von Piëchs Gnaden. Ferdinand Piëch und Winterkorn haben viele Jahre bei der VW-Tochter Audi zusammengearbeitet. Als Piëch Anfang der 90er Jahre VW-Chef wurde, holte er Winterkorn auch nach Wolfsburg. Später wurde Winterkorn Audi-Chef und dann schließlich VW-Vorstandsboss, als ein Nachfolger für Bernd Pischetsrieder gesucht wurde. Winterkorn ist aus demselben Holz wie sein Förderer Piëch: ein Autofreak durch und durch, Techniker und Perfektionist, der unangenehm werden kann, wenn eine Schraube nicht richtig sitzt.

Wendelin Wiedeking ist der Superstar unter den Automanagern. Eigentlich unter allen Managern. Keiner verdient in Deutschland mehr als er, 2006 waren es schätzungsweise 14 Millionen Euro. Wiedeking hat Porsche in den vergangenen zehn Jahren zum profitabelsten Autohersteller der Welt gemacht. Der vor Selbstbewusstsein strotzende Duzfreund von Gerhard Schröder braucht „ab und zu einen zwischen die Hörner“, wie in Stuttgart zu hören ist. Sonst schnappe er über. Die erfolgreiche Sanierung Porsches wird nur noch übertroffen durch den Einstieg bei VW, der Porsche über die massive Steigerung des VW-Aktienkurses bereits viele hundert Millionen Euro Gewinn gebracht hat. Wie stark sich Wiedeking, seit knapp zwei Jahren im VW-Aufsichtsrat, künftig in die Geschäftspolitik von VW einmischt, ist eine spannende Frage. Er äußerte bereits, in Wolfsburg dürfe es „keine heiligen Kühe geben“, womit auch das eine oder andere Auto gemeint sein könnte. Ferdinand Piëch ist der große Stratege – wobei allerdings offen ist, ob er – Piëch ist Porsche-Miteigentümer – Wiedeking noch im Griff hat oder der bereits völlig alleine läuft. Piëch hat mit Winterkorn zusammen das Oberklassenauto VW-Phaeton entwickelt und auf den Markt gebracht, ein Fahrzeug, das VW vor allem Geld kostet. Wenn Wiedeking das Ende des Modells durchsetzen würde, wäre das ein Zeichen dafür, das Piëchs Zeit abläuft. Aber darauf sollte niemand wetten. Ex-VW-Chef Pischetsrieder hatte gemeinsam mit Ministerpräsident Christian Wulff, dem damals wichtigsten VW-Aktionär, versucht, Piëch aus dem VW-Aufsichtsrat zu drängen. Das Ergebnis: Piëchs Vertrag als Aufsichtsratschef wurde verlängert, Pischetsrieder flog raus und Ministerpräsident Wulff ist so zahm geworden wie Piëchs Hauskatze. alf

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