Wirtschaft : Die Windbranche dankt den Wählern

Nachdem Schwarz-Gelb verhindert wurde, herrscht auf der Messe „Husumwind“ gute Stimmung

Anselm Waldermann

Berlin - Die Erleichterung hätte nicht größer sein können. Noch vor wenigen Tagen machte man sich in der Windbranche angesichts eines bevorstehenden schwarz-gelben Regierungswechsel erhebliche Sorgen. Doch nun, pünktlich zum Beginn der weltgrößten Messe für Windenergie, der „Husumwind“, sind alle Befürchtungen zerschlagen: Eine radikale Beschneidung der Fördermittel für erneuerbare Energien droht vorerst nicht. Denn egal, welche Koalition Deutschland regieren wird: Entweder die SPD oder die Grünen sind mit im Boot. Entsprechend zuversichtlich blickt die Windbranche nun wieder in die Zukunft. „Die Stimmung ist hervorragend“, sagte Ralf Bischof, Vorstandssprecher des Bundesverbands Windenergie (BWE), dem Tagesspiegel. „Ein harter schwarz-gelber Kurs ist ausgeschlossen.“

Das sieht auch die Börse so: Der Aktienkurs des Hamburger Windunternehmens Repower zum Beispiel legte am Montag nach der Wahl um 5,5 Prozent zu, und auch am Dienstag kamen die Titel erneut auf ein Plus von zeitweise 5,3 Prozent. Anderen Firmen ging es ähnlich.

Kein Wunder, dass die Stimmung auf der „Husumwind“ gut ist. Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) eröffnete die Messe am Dienstag im nordfriesischen Husum, einem der wichtigsten deutschen Wind-Produktionsstandorte. 520 Aussteller zeigen bis Sonnabend ihre Produkte rund um die Windkraft. Insgesamt kommen Anbieter aus 26 Ländern.

Allerdings: Auch ohne politische Schwierigkeiten stehen Windunternehmen derzeit vor großen Herausforderungen. Denn der inländische Markt schrumpft: Wurden im Jahr 2003 noch 2600 Neuanlagen errichtet, waren es im vergangenen Jahr nur noch 2000. Der Hauptgrund: In Deutschland gibt es immer weniger Flächen, die noch genutzt werden könnten.

„Wir orientieren uns nun zunehmend in Richtung Ausland“, erklärt Bischof. „Der Export brummt.“ Mittlerweile beträgt der Ausfuhranteil der deutschen Windrad-Hersteller knapp 60 Prozent. Neben anderen europäischen Ländern werden vor allem China und Indien zu immer wichtigeren Abnehmern. Beide Staaten können ihren Energiebedarf nicht allein mit herkömmlichen Energieträgern decken, deshalb haben sie gerade erst neue Fördergesetze für regenerative Energien verabschiedet. Weltweit wächst der Windmarkt um 30 Prozent pro Jahr.

Allerdings schläft auch die Konkurrenz nicht. So gibt es unter den zehn größten Herstellern der Welt nur drei deutsche Firmen: Enercon, Nordex und Repower. Vor allem Dänemark und die USA, in zunehmendem Maße aber auch Spanien, laufen den Deutschen den Rang ab. Im vergangenen Jahr wurden in Spanien erstmals mehr Windräder in Betrieb genommen als in Deutschland.

Neben dem Export setzt die Branche daher ihre Hoffnungen auf das Offshore-Geschäft, also auf Windparks im Meer. Bisher gibt es solche Anlagen in Deutschland – anders als in Dänemark oder Großbritannien – nicht. Zwar hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie neun Windparks in der Nord- und einen in der Ostsee genehmigt. Doch mit der Umsetzung gibt es Probleme.

Zum einen melden Naturschützer Bedenken an, denn das benötigte Kabel müsste durch den Nationalpark Wattenmeer führen. Zum anderen aber gestaltet sich die Finanzierung schwierig: Banken und Versicherungen haben bisher keine Erfahrungen mit Anlagen im Meer; entsprechend scheuen sie das Risiko und halten ihr Kapital zurück. Experten erwarten nun, dass vor allem Großkonzerne in Frage kommen, um Offshore-Windparks zu betreiben. Trittin sagte auf der „Husumwind“, im Offshore-Bereich bestehe in den nächsten 25 Jahren ein Investitionspotenzial von 50 Milliarden Euro.

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